Erste Anbotsrunde endet heute

12. September 2008, 14:15
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Investmentbanker erwarten bis zum Abend unverbindliche Angebote - Anfang nächster Woche kürt ÖIAG-Privatisierungsausschuss Kandidaten der nächsten Runde

Wien - Von einem Dutzend Interessenten für die angeschlagene Austrian Airlines (AUA) waren bis kurz vor Ende der Annahmefrist für unverbindliche Angebote die Kandidaten nur mehr an einer Hand abzuzählen. Nach Ablauf der Frist heute, Freitag, Abend, wird das vom Haupteigentümer ÖIAG mit der Käufersuche beauftragte Investmentbaus Merrill Lynch die Angebote öffnen. Diese Liste wird dann Basis für eine "Shortlist". Anfang nächster Woche, dem Vernehmen nach Montag, wollen sich die ÖIAG-Experten (Privatisierungsausschuss) zusammenfinden, um mit den Beratern auszuwählen, wer in die nächste, die "heiße", Runde aufsteigt.

Damit sind dann weitere, noch einmal strengere, Vertraulichkeitsverträge, verbunden. Wer es in die engere Wahl geschafft, darf an die wirtschaftliche Prüfung der Airline (Due Diligence) gehen. Nach dieser Prüfung haben die Bieter ihre Preisvorstellungen darzulegen. Verbindliche Angebote sind vor der vierten Oktoberwoche fällig. Dann geht es in die Endphase: Ende Oktober will die ÖIAG das "Signing" unter Dach und Fach bringen. Denn bis dahin gilt der aktuelle Privatisierungsauftrag.

Zum Verkauf stehen die 42,75 Prozent Staatsanteil (ÖIAG-Paket), in der Folge dürften auch Banken aussteigen, die bisher das "Österreich-Syndikat" komplettiert hatten. Eine Sperrminorität von 25 Prozent und einer Aktie soll nach Wunsch der Politik in österreichischen Händen bleiben, notfalls bei der ÖIAG. Das ist eine der sensibelsten Bedingungen, die ein Käufer zu akzeptieren hat.

Keine Außenseiter

Künftig wird jedenfalls eine starke ausländische Airline das Sagen bei der AUA haben. Operativ braucht die börsenotierte österreichische Fluggesellschaft vor allem einen starken Partner für die defizitäre Langstrecke. Damit scheiden laut Beobachtern einige Außenseiter schon vorweg aus.

12 Interessenten hatten sich bis Ende August mit ersten Interessensbekundungen eingestellt. Ihre Zahl wurde schnell kleiner, "Heuschrecken" wurden schnell ausgesiebt. Zur Zahl der Bewerber gibt es zur Stunde keine offiziellen Angaben, laut AUA-Chef Alfred Ötsch sind aber "die Großen und Starken dabei - alle", wie er am Mittwoch erklärt hatte. Üblicherweise avisieren Bieter vor Anbotsschluss, ob sie sich bewerben oder nicht.

Klarer Favorit der AUA-Spitze ist seit Anbeginn des Verkaufsprozesses an die deutsche Lufthansa. Mit ihr kooperiert die AUA seit vielen Jahren und sie ist Lead-Airline der Star-Alliance, der auch die AUA angehört.

Auch Air France KLM wiird bieten, wie die Franzosen diese Woche bereits offiziell hatten wissen lassen. Hinter vorgehaltener Hand wurde freilich auch einmal spekuliert, dass die Franzosen vor allem daran interessiert sind, dass die Deutschen die österreichische Airline nicht zu billig bekämen. Als interessierte Außenseiter gelten die russische S7 (die mit einer Inseratenkampagne um sich wirbt und heute die Offert-Abgabe bestätigt hat) und eine Zeitlang auch die Aeroflot. British Airways wird Interesse nachgesagt. Turkish Airways hat das Boot bereits verpasst. Um Air China gibt es widersprüchliche Informationen.

Die Lufthansa würde mit der AUA die größte Airline Europas werden vor Air France KLM - wenn nicht vorher Entscheidungen an anderen Akquisitions-Fronten (Alitalia etc.) fallen. (APA)

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