Die Fantasie der anderen

10. September 2008, 19:06
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"Die Liebe ein Traum": Bei Filmen, die die eigene Lebenswelt interpretieren, dünkt sich doch jeder als König im eigenen Biotop

Wenn Vertrautes befremdlich wird, ob bei Orten, Plätzen oder bei Verhaltensmustern, kann das spannend sein - oder einfach unglaubwürdig werden.

Bei Filmen, die die eigene Lebenswelt interpretieren, ist das doppelt gefährlich - dünkt sich doch jeder als König im eigenen Biotop. Dann bedarf es einer ordentlichen Portion Toleranz gegenüber der Sichtweise der Erzählenden oder, im TV, der Drehbuchschreiber. Wenn es selbst unter der größtmöglichen Anstrengung nicht mehr nachzuvollziehen ist, was die Protagonisten Anna und Max in ihrer Studentenzeit in "Die Liebe ein Traum" (Mittwoch in ORF 2) miteinander treiben, ist der Zug abgefahren, die Klappe zu und der Affe tot.

So schnarcht Anna (Burgschauspielerin Stefanie Dvorak) recht lang recht ungestört in der Uni-Bibliothek vor sich hin, bis sie der adrette Student Max (Florian David Fitz inklusive Palästinenserschal) höflich weckt.

Wer je in einer Uni-Bibliothek eingeschlafen ist, weiß, was für hyänenhafte Menschen Studierende sein können. Da wird nicht lange darum gebeten, das Schnarchen einzustellen, dort wird brutal gehandelt.

Noch so ein Ding ist der Morgen danach. Diesmal schläft Max: und zwar nackt und zufrieden im Bett der bereits ausgeflogenen Anna - bis deren Mutter (Maresa Hörbiger) das Zimmer entert und sich an Max' straffen Hinterbacken ergötzt, um sich dann ins ungemachte Bett zu setzen. Hier verhält es sich recht ähnlich, wie mit der Bibliothek: Eine Vor-Ort-Recherche zur Vermeidung platter (Studenten-) Klischees als Witzgeneratoren hilft auch bei einem - als locker-flockig angelegten - Schwank. (hoge/DER STANDARD; Printausgabe, 11.9.2008)

  • Die Liebe, ein Traum.
    foto: orf/degeto/petro domenigg

    Die Liebe, ein Traum.

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