Grüner Wahlkampfauftakt mit queeren Tönen

11. September 2008, 12:39
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Van der Bellen forderte Gleichstellung von Lesben und Schwulen in den nächsten fünf Jahren - Lunacek wünscht sich Öffnung der Ehe und Zivilpakt für Lesben, Schwule und Hetero-Pärchen

Wien - Der Grüne Spitzenkandidat der Grünen Alexander Van der Bellen hat beim Wahlkampfauftakt im Wiener Museumsquartier am Mittwoch die Gleichstellung von Lesben und Schwulen in den nächsten fünf Jahren gefordert.

Van der Bellen meinte, dass die FPÖ Angst vor Lesben und Schwulen hätte und machte darauf aufmerksam, dass "nur bei den Grünen eine Ulrike Lunacek und viele weitere lesbische und schwule MandatarInnen selbstverständlich sind", halten die Grünen Andersrum Wien in einer Aussendung fest, die sich über "diese klare Worte erfreut" gezeigt haben. "Nur die Grünen fordern die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule und fordern die wirkliche Gleichstellung", so der Sprecher der Grünen Andersrum Wien, Gemeinderat Marco Schreuder.

Auch nach Ansicht der Grünen Abgeordneten Ulrike Lunacek ist die Gleichstellung von homosexuellen Paaren ein im aktuellen Nationalratswahlkampf "sträflich vernachlässigtes Thema", meinte sieam Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Lesben und Schwule würden sich in Österrreich nach wie vor in einem "rechtlichen Niemandsland" befinden.

"Schwulenhass" der FPÖ/BZÖ

Zum Feindbild erklärten die Grünen das veraltete Familienkonzept der ÖVP und den von der FPÖ verbreiteten "Schwulenhass". Lunacek erneuerte ihre Forderung nach einem modernen Partnerschaftsrecht, dem sogenannten Zivilpakt (Zip). Der wesentlichste Unterschied zur Ehe bestehe darin, dass beim Zip nach einer Trennung von den Partnern keinerlei Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden können.

Diese Partnerschaftsmodell soll aber nicht nur schwulen und lesbischen Paaren offen stehen, sondern ist ebenso für heterosexuelle Lebensgemeinschaften gedacht. Darüber hinaus steht auch die Öffnung der traditionellen Ehe für Homosexuelle nach wie vor auf der Agenda der Grünen. Für die Sondersitzung des Nationalrates am Freitag kündigte Lunacek zwei entsprechende Fristsetzungsanträge an. In der Bevölkerung ortete Lunacek einen Meinungsumschwung beim Thema Homosexuellen-Ehe.

Immerhin hätten sich in einer Umfrage aus dem Jahr 2004 rund 64 Prozent der Befragten für eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare ausgesprochen. Zwei Jahre später hätten bei einer Eurobarometer-Befragung immerhin 49 Prozent der ÖsterreicherInnen Zustimmung zu einer Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare signalisiert.

"... bis auf das Wörtchen JA"

Die Grünen Andersrum, eine Teilorganisation der Partei, wirbt mit Postkarten, Gratis-Kondomen, sowohl für Männer als auch mit einem Modell speziell für Frauen, um die Wählergunst von Lesben und Schwulen. Die Postkarten zeigen unter anderem zwei Pensionisten beim Kaffeetrinken. Über dem Pärchen steht geschrieben "Sie konnten sich im Leben alles sagen... bis auf das Wörtchen JA".

Es seien bewusst ältere Menschen für das Sujet ausgewählt worden, erkärte Lunacek. Immerhin würden SeniorInnen besonders unter den rechtlichen Ungleichheiten leiden, etwa beim Erbschaftsrecht oder wenn ein/e PartnerIn krank werde. (APA/red)

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    Foto: REUTERS/Dominic Ebenbichler

    "Klare Worte" von Van der Bellen: Er will eine volle Gleichberechtigung von Homosexuellen binnen fünf Jahren in Österreich Realität werden lassen.

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