Jung-Innovator der Zellverjüngung

10. September 2008, 18:15
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Konrad Hochedlinger, aus Österreich stammender Jungstar der Stammzellforschung, lässt mehrfach aufhorchen

Boston - Seit 1999 wählt die Redaktion der Technology Review, der 1899 gegründeten und wohl renommiertesten Zeitschrift für Technik und Innovation, alljährlich die ihrer Meinung nach 35 wichtigsten Innovatoren unter 35 aus - und zwar weltweit.

Aus dem Bereich der Biomedizin bzw. Biotechnologie hat man für die aktuelle Liste der "TR 35" acht Nachwuchswissenschafter ausgesucht - und erstmals kam einer von ihnen aus Österreich: Konrad Hochedlinger, Jungstar der Stammzellforschung, der freilich seit mehreren Jahren in Boston, der inoffiziellen Welthauptstadt der Wissenschaft, arbeitet.

Der 33-jährige Genetiker ist zurzeit Assistenzprofessor für Medizin an der Harvard Medical School und am Harvard Stem Cell Institute. Dort forscht er an Methoden zur Reprogrammierung von Hautzellen zu sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS), dem zurzeit heißesten Feld in der Biomedizin, in das riesige Erwartungen gesetzt wird.

Erfunden wurde diese revolutionäre Technik vom japanischen Forscher Shinya Yamanaka vor zwei Jahren: Durch das Einschleusen von vier Genen in Bindegewebszellen aus der Haut von Mäusen konnte er die Zellen zu induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) "verjüngen" bzw. rückprogrammieren. Ein Jahr später gelang ihm dasselbe mit menschlichen Zellen.

An Weiterentwicklungen dieser Methoden arbeitet Konrad Hochedlinger - und zwar an vorderster Front. Gemeinsam mit seinem Dissertationsvater Rudolf Jaenisch war er einer der Ersten, der Yamanakas Methode wiederholen und bestätigen konnte. Und nun stellt er in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Cell Stem Cell (Nr. 11) die jüngste Verbesserung bei der iPS-Herstellung vor.

"Bis jetzt war die Herstellung der iPS-Zellen extrem ineffizient und gelang nur bei nicht einmal einem Promille der Bindegewebszellen", so Hochedlinger im Gespräch mit dem Standard. Mit einem Trick gelang es ihm und seinem Team, die Erfolgsrate wesentlich zu erhöhen: Man fügte bei der Herstellung den Wirkstoff Doxyzyklin hinzu, der es möglich macht, die Genexpression der vier Faktoren zu steuern, die für die "Verjüngung" nötig sind.

Wurden die Faktoren abgeschaltet, differenzierten sich die Zellen aus. Und aus diesen Zellen stellte Hochedlinger und sein Team dann wieder mittels Zugabe von Doxyzyklin "sekundäre" iPS her - mit einer weitaus höheren Erfolgsrate als bisher. "Diese neue Methode ist nicht nur effizienter. Sie ist auch besser geeignet für weitere nötige Untersuchungen der iPS-Zellen und ihres Herstellungsprozesses", so Hochedlinger.

In Sachen therapeutischer Anwendungen warnt freilich auch er - so wie Yamanaka kürzlich im Standard - vor allzu großen Hoffnungen auf einen baldingen Einsatz. Der Harvard-Genetiker rechnet aufgrund der Schwierigkeiten bei der Herstellung ausdifferenzierter Zellen aus iPS in allerfrühestens fünf Jahren mit Therapien, also etwa maßgescheidertem transplantierbarem Gewebe.

Die nächste große Hürde, die auch für diese therapeutische Anwendungen zu nehmen ist, besteht im Ersatz der viralen Vektoren beim Einschleusen der vier "Verjüngungs-Gene" - da ist sich Hochedlinger mit seinen Kollegen einig. Und mittlerweile wäre es wohl keine Überraschung mehr, wenn seine Arbeitsgruppe mit bei den Ersten sein wird, die dieses Hindernis nehmen.(Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.9.2008)

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