"Bei Arbeit für Minderheiten geschieht bei Grün nicht viel"

10. September 2008, 17:55
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LIF-Verfassungssprecher und Anwalt Rudi Vouk erklärt im STANDARD-Interview, dass die grüne Konkurrenz bei ihrer Volksgruppenpolitik in den letzten Jahren "einiges" vermissen ließ

Standard: Die Grünen werfen LIF-Financier Haselsteiner vor, als Strabag-Chef über eine Firma von Parteichef Zach Zahlungen an ungarische Parteien getätigt zu haben. Ihr Rat an die Kollegen als Anwalt?

Vouk: Haselsteiner reagiert richtig, indem er darauf hinweist, dass das alte Vorwürfe sind, die längst geklärt wurden. Als Anwalt rate ich Mandanten, die zu Unrecht angepatzt werden, prinzipiell, damit nicht unbedingt gleich zu Gericht zu laufen. Denn auch wenn die Vorwürfe unhaltbar sind, erreicht man damit zunächst vor allem, dass der Brei immer wieder öffentlich durchgekaut wird.

Standard: Grüne und LIF vertreten viele identische Positionen. Können Sie uns einen Unterschied nennen?

Vouk: In der Volksgruppenpolitik habe ich bei den Grünen in der letzten Legislaturperiode einiges vermisst: Allein heuer hat der Verfassungsgerichtshof acht neue Erkenntnisse zu den Kärntner Ortstafeln gefällt - dazu gab es nicht einen Kommentar. Die Grünen protestieren gegen Jörg Haider, ja, aber kaum gegen die Untätigkeit der Regierung. Es gab von ihnen auch keinen einzigen Initiativantrag im Parlament - wenn es um konkrete Arbeit für Minderheiten geht, geschieht bei Grün nicht viel.

Standard: Aber Sie könnten als Mandatar auch nicht sicherstellen, dass der Nationalrat ein verfassungsrechtlich kompatibles Ortstafelgesetz zustande bringt.

Vouk: Natürlich bräuchte es dafür eine Mehrheit. Aber auch eine Stimme im Parlament kann viel bewirken, wenn sie lästig ist.

Standard: Sollen Kinder, die hierzulande geboren sind, automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten?

Vouk: Das wäre sinnvoll, die derzeitige Rechtslage ist ein Humbug. Mitunter müssen Migrantenkinder bis zu zehn Jahre warten, bis sie einen österreichischen Pass kriegen.

Standard: Sie sitzen im Rat der Kärntner Slowenen, der als katholisch gilt. Das LIF ist berüchtigt dafür, die Kruzifixe in Klassen entfernen zu wollen. Nach wie vor dafür?

Vouk: Freilich ist die Mehrheit bei uns katholisch. Aber wir Slowenen sind schon lang nicht mehr dieses Marienmutterl-Volk, wie man vielleicht annimmt. Als Liberaler bin ich für die Trennung von Kirche und Staat. Daher wäre es mir lieber, wenn in den Klassen Kinderzeichnungen aufgehängt werden - dabei könnte man auch gleich den Bundespräsidenten und den Landeshauptmann abnehmen.

Standard: Was schätzen Sie an Van der Bellen?

Vouk: Seine besonnene Art. Ich hoffe auch, dass seine Grünen bei der Wahl gut abschneiden. Damit sich mit uns eine Koalition jenseits von Strache/Haider ausgeht. (Nina Weißensteiner/DER STANDARD Printausgabe, 11. September 2008)

  • Vouk wünscht den Grünen ein gutes Ergebnis, damit sich eine Dreierkoalition mit dem LIF ausgeht.
    foto: standard/fischer

    Vouk wünscht den Grünen ein gutes Ergebnis, damit sich eine Dreierkoalition mit dem LIF ausgeht.

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