"Jede Stimme für das LIF nützt den Großparteien"

10. September 2008, 17:50
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Die Grünen seien die Menschenrechtspartei, betont die Wiener Integrationssprecherin Alev Korun im STANDARD-Interview - "Die Liberalen werden nicht ins Parlament kommen"

Standard: Warum greifen die Grünen nicht Frontfrau Heide Schmidt an, sondern ausschließlich den liberalen Wirtschaftssprecher, Bauunternehmer Haselsteiner?

Korun: Die liberale Frontfrau behauptet zwar, ihre Partei sei eine Menschenrechtspartei, aber dann wird das Forum von einem Großindustriellen finanziert, der mit einem russischen Oligarchen Geschäfte macht, der nicht gerade für Menschenrechte in Russland steht und stark mit dem russischen Regime verbandelt ist.

Standard: Sind die Grünen in Alarmstimmung?

Korun: Dafür sehe ich keinen Grund. Warum sollen wir vor einer Partei in Sorge sein, deren Parteiprogramm aus dem Jahr 1993 stammt und die in vielen Bereichen keine Innovation anbietet? In der Umweltpolitik haben sie keine einzige konkrete Maßnahme vorgeschlagen - ähnlich verhält es sich bei den Menschenrechten und der Integration, da merkt man nichts.

Standard: Wie würden Sie Heide Schmidt beschreiben?

Korun: Ich respektiere Heide Schmidt als Person. Man erfährt zwar, wogegen die liberale Spitzenkandidatin ist - nämlich gegen die FPÖ und das BZÖ -, aber nicht wofür sie steht. Und das kann man aus ein paar Interviews und einem völlig veralteten Parteiprogramm auch nicht ablesen.

Standard: Finden Sie das LIF demokratiepolitisch wichtig?

Korun: Die Grünen sind die soziale und Menschenrechtspartei im Nationalrat, jede Stimme für das LIF nützt letztendlich leider den Großparteien.

Standard: Ihr Wahltipp: Wie viele Prozente bekommen die Grünen am 28. September, wie viele das LIF?

Korun: Die Liberalen werden nicht reinkommen, die Grünen deutlich zulegen. 15 Prozent wäre der Herzenswunsch.

Standard: Eine Sachfrage: Sie fordern, dass in Österreich geborene Kinder automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten sollen. Warum?

Korun: Weil es absurd ist, dass der Staat in Österreich geborene Kinder per Gesetz zu Ausländern macht. Diese Kinder kennen keine andere Heimat als Österreich, was an ihnen soll ausländisch sein? Die Nachkommen dafür zu bestrafen, dass ihre Eltern oder Großeltern die Einbürgerung nicht beantragt haben, ist unmenschlich. Außerdem sollte die doppelte Staatsbürgerschaft möglich sein - nicht nur für Privilegierte wie Arnold Schwarzenegger.

Standard: Wie viele Kinder wären davon betroffen?

Korun: Zirka 9000 Kinder pro Jahr. Dafür würde sich Österreich 9000 Verfahren und viel Bürokratie ersparen.(Peter Mayr/DER STANDARD Printausgabe, 11. September 2008)

 

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    Korun: Automatische Staatsbürgerschaft würde viel Bürokratie ersparen.

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