"Hyttn" als Kommunikationsproblem

10. September 2008, 17:45
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Die Debatte um Punker frustriert Anrainer - Medien haben keinen Zutritt zum Haus - Mit Abstand gravierendstes Problem ist der Lärm

Wien - Kommunikation und Pankahyttn scheinen unvereinbar. Rund um das "Haus Johnstraße für junge Erwachsene" - so heißt das Wiener Wohnprojekt für Jugendliche, die sich als Punks sehen - regieren Unverständnis zwischen Anrainern, Punks sowie offiziellen Stellen.

Das mit Abstand gravierendste Problem der "Hyttn" in der Johnstraße 45 im Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus ist der Lärm. Zumindest für die Ohren der unmittelbaren Nachbarn. Hundegebell und lautstarke Streitereien vergällen den Anrainern die Freude an der eigenen Wohnung.

"Das halten wir nicht mehr aus" , sagt die weißhaarige alte Dame bestimmt. "Ich bin vor 83 Jahren in meiner Wohnung geboren worden, aber das ist kein Zusammenleben" , empört sie sich am Dienstagabend beim fünften "Runden Tisch" im Festsaal der Bezirksvorstehung. Dass es der fünfte ist, lässt bei den 25 anwesenden Anrainer erst recht die Galle hochkommen. "Es hat bisher keinen erkennbaren Fortschritt gegeben" , meint einer. Die Handvoll anwesenden Hyttn-Bewohner widersprechen. Ihr Verhalten in dem vom Fonds Soziales Wien (FSW)betriebenen Projekt habe sich seit der Eröffnung vor fast neun Monaten verbessert, finden sie.

"Sind nicht pflegeleicht"

Auf die Frage einer Anrainerin: "Seid ihr gewillt, Rücksicht zu nehmen?" beginnt einer der Punks die Antwort mit "Nein" - worauf ein Pandämonium losbricht, in dem das Satzende untergeht. Einige Anrainer benutzen den Rest der Veranstaltung, dieses "Nein" als Beleg für die Integrationsunfähigkeit. Der zweite Antwort-Anlauf: "Ja, wir bemühen uns, aber wir haben nie gesagt, dass wir leise oder pflegeleicht sind" , wird vom Großteil der Bürger dann ignoriert.

Auf einen grünen Zweig kommt man in der ersten Stunde der Sitzung nicht: Das Thema Lärm wird immer wieder aufs Tapet gebracht. Mit ständig gleichen Argumenten, wirkliche Lösungen findet niemand. Eine Dame vom FSW berichtet stolz, dass in dem Haus mittlerweile - erstmals in Wien - doppelt isolierte Fenster eingebaut worden sind. Die gleiche Dame schiebt dann die Schuld, dass die Kriterien der Ende Oktober fertigen Projekt-Evaluation nicht im Internet stehen, auf die Bezirksvorstehung - die das heftig zurückweist und den Ball retour spielt.

Offene Kommunikation scheint beim FSW generell nicht so einfach. Auf der Homepage finden sich keine näheren Infos zum Projekt. Einer Redakteurin der ORF-Sendung "Bürgeranwalt" wurde nach ihren Angaben von FSW-Sprecher Florian Winkler die Drehgenehmigung in dem Haus rüde verweigert. Der widerspricht - stellt allerdings im nächsten Satz klar, dass überhaupt keine Medien in das Haus dürfen. "Es ist kein Zoo dort, wir wollen nicht, dass die Bewohner vorgeführt werden." Die Redakteurin habe bei ihm nur um die Genehmigung für das Filmen von Anrainern angefragt. Warum sie das gemacht haben sollte, bleibt im Dunkeln. Möglicherweise gab es ein Kommunikationsproblem. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 11. September 2008)

  •  Die Pankahyttn, offiziell "Haus Johnstraße für junge Erwachsene", sorgt weiterhin für Diskussionsstoff.
    foto: standard/robert newald

    Die Pankahyttn, offiziell "Haus Johnstraße für junge Erwachsene", sorgt weiterhin für Diskussionsstoff.

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