Karussell um Nachfolge ElBaradeis in IAEO eröffnet

12. September 2008, 08:23
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Posten wird 2009 frei - Kandidaten aus Südafrika und Japan

Wien - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) bekommt 2009 einen neuen Generaldirektor. Mohamed ElBaradei hat dem Gouverneursrat mitgeteilt, dass er keine vierte Amtszeit anstrebt. Der Ägypter ElBaradei (66), der der IAEO und sich selbst 2005 den Friedensnobelpreis gebracht hat, trat das Amt 1997 an und wurde 2001 und 2005 verlängert. 2005 wurde die Verlängerung lange von den USA blockiert, die ElBaradei seine Rolle vor dem Irakkrieg - er hatte sich dagegen ausgesprochen - verübelten. Vor ihm war der Schwede Hans Blix langjähriger IAEO-Chef.

In den nächsten Monaten werden die Kandidaturen gesammelt, der neue Generaldirektor wird dann im Frühsommer vom Rat gewählt und im Herbst von der Generalkonferenz bestätigt.

Die Debatte über mögliche Nachfolger bewegt sich einstweilen noch in der Gerüchtesphäre. Einen Fixstarter gibt es jedoch bereits, den Südafrikaner Abdul Samad Minty, dessen Kandidatur Südafrika bereits im August angemeldet hatte, für den Fall des Verzichts ElBaradeis. Der Diplomat Minty ist ein international anerkannter Atomexperte, der im Gouverneursrat sitzt. Auch Japan wird sich um den Posten bewerben, in der Person des japanischen Vertreters bei der IAEO, Yukiya Amano.

Weiters wird über einen lateinamerikanischen Kandidaten spekuliert: Genannt wird dabei der Generaldirektor der OPCW (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons) in Genf, der Argentinier Rogelio Pfirter. Dieser hat den OPCW-Posten 2002 vom Brasilianer José Bustani übernommen, der bei den USA wegen eines Streits über den Irak in Ungnade gefallen war. Falls Brasilien Argentinien diese Übernahme noch nicht verziehen hat, könnte es zu einem Kompromisskandidaten kommen, genannt wird der chilenische Vertreter bei der IAEO und derzeitige Gouverneursratsvorsitzende Esteban Skoknic Tapia.

Weiters heißt es, auch der derzeitige Direktor der Safeguards-Abteilung (oft medial "IAEO-Chefinspektor" genannt), der Finne Olli Heinonen, könnte sich bewerben, das wird von Insidern jedoch als eher unwahrscheinlich bewertet. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2008)

 

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