Stepic: Raiffeisen ist Gewinner der Subprime-Krise

10. September 2008, 14:47
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Durch eine breite Kundenbasis und hohe Spareinlagen sei RI glimpflich aus der Kreditkrise gekommen. Die Wachstumsdynamik an den Ost-Bankenmerken sieht Stepic abgekühlt

Wien - Die Subprime-Krise ist nach wie vor das dominierende Thema im internationalen Bankgeschäft. "Gewinner der Krise sind Banken mit einer breiten Kundenbasis und unmittelbaren Kundenkontakten - das ist eine Stärke der Raiffeisen International", betonte RI-Chef Herbert Stepic heute, Mittwoch, im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Hingegen sehe er "für kleine Banken ohne strategischen Partner eine dunkle Zeit hereinbrechen", denn kleine Banken müssten am meisten für Einlagen bezahlen, aber die billigsten Kredite geben, um kompetitiv zu sein.

Nach Ansichts des RI-Chefs hat die aktuelle Finanzkrise einige wesentliche Konsequenzen: Die Risikobewertung sei wieder ein zentrales Thema, und "Liquidität ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr". Seit Beginn der Krise hätten sich die Aufschläge bei syndizierten Krediten um durchschnittlich 100 Basispunkte erhöht. "Institute mit Primäreinlagen - Sparbücher - haben klare Vorteile." Bei der RI betrage der Anteil der Primäreinlagen an der Kapitalausstattung 62 Prozent, das sei "sehr, sehr hoch". Darüber hinaus sei die Reputation ein wesentlicher Faktor, "ein einfaches Gerücht bringt auch große Banken ins Wanken", so Stepic. Ratings müssten wieder differenzierter betrachtet werden.

Eine weitere Folge der Krise ist laut Stepic, dass sich die Banken wieder verstärkt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. So habe sich die ungarische OTP von ihrer Versicherungssparte getrennt, und auch die Erste Bank verkaufe ihr Versicherungsgeschäft an die Wiener Städtische.

"Die Auseinandersetzung mit Basel II ist ein wichtiges Thema auf Grund des pro-zyklischen Charakters", unterstrich Stepic auch die Bedeutung der rechtlichen Rahmenbedingungen. "IFRS und Basel II sind Trendverstärker, in guten wie in schlechten Tagen."

Regulierung

Und schließlich müssten auch Aufsicht und Regulierung überdacht werden, meinte Stepic. Besonders in der EU habe die Subprime-Krise den Ruf nach stärkerer Regulierung laut werden lassen. "Das sehe ich aber sehr differenziert", denn die Banken seien ohnehin schon stark reguliert. Die Hedgefonds würden nicht so kontrolliert, weil sie keine Spareinlagen hätten. "Dieses Themas muss man sich annehmen."

Die Bankenmärkte in Osteuropa hätten sich in ihrer Wachstumsdynamik stark abgekühlt, und die Gefahr einer Überhitzung sei reduziert, sagte Stepic. Allerdings werde das Bilanzsummenwachstum heuer nach seiner Einschätzung immer noch bei etwa 18 Prozent in der gesamten Region liegen, wobei es sich recht gleichmäßig auf Zentraleuropa, Südosteuropa und die GUS verteile. 2006 sei der Bankenmarkt in der Region um 33 Prozent gewachsen, im Peak-Jahr 2007 sogar um 36 Prozent. Das langfristige Potenzial liege deutlich über den Werten der etablierten Märkte.

Ein deutlich sichtbarer Trend sei auch der zunehmende Einfluss von Staatsfonds auf das globale Wirtschaftsgeschehen. Fünf große Staatsfonds allein hätten 2.300 Mrd. US-Dollar an Vermögen, das sie global investieren. Und schließlich sei in Westeuropa auch eine signifikante Zunahme von Cross-Border-Deals im Bankengeschäft zu beobachten.

"Wirtschaft in Russland boomt nach wie vor"

Vom Krieg zwischen Russland und Georgien zeigte sich Stepic weder überrascht noch besonders beunruhigt. "Russland wird wirtschaftlich auf Sicht überhaupt nicht verlieren und daher auch unser Geschäft nicht." Die bereits bekannten Pläne für einen massiven Filialausbau in Russland "bleiben unverändert", betonte Stepic. "Für uns prognostiziere ich ein Wachstum, das über den durchschnittlich 18 Prozent liegt - mindestens 20 Prozent."

Die aktuelle Krise "war von mir persönlich eine erwartete", denn Georgien betreibe "politisches Harakiri", indem es sich mit seinem großen Nachbarn anlege und sich ausschließlich auf einen Partner verlasse, der sehr weit weg sei und nur Berater schicke.

Einen nachhaltigen wirtschaftlichen Schaden für Russland erwartet Stepic nicht. Russland sei wirtschaftlich sehr stark, verfüge über 580 Mrd. Dollar an Devisenreserven und die Preise für Öl, Gas und Stahl seien derzeit sehr hoch. "Auch bei einem Erdölpreis von 100 Dollar oder knapp darunter produziert Russland positiv." Die Gefahr eines neuen kalten Krieges "sehe ich überhaupt nicht", ist sich Stepic sicher. Eine Isolation Russlands wäre "bei der zehntgrößten Volkswirtschaft der Erde völlig unrealistisch". Ebenso unrealistisch wäre es, dass der Westen um seien Energieversorgung fürchten muss - "das gab es selbst in der Zeit des kalten Krieges nicht".

Eine sichtbare Folge des Georgien-Konflikts seien Kapitalabflüsse aus Russland in Höhe von rund 7 Mrd. Dollar, was für die Liquidität jedoch "irrelevant" sei. "Der Zustand der Börsen gibt mir keinen Anlass, einen weiteren Abfluss zu sehen. Die Wirtschaft Russlands boomt nach wie vor." Das BIP-Wachstum für Russland im laufenden Jahr schätzt Raiffeisen International auf 5,5 Prozent, was normal sei für einen Emerging Market. Trotzdem sei eine Verunsicherung ausländischer Investoren zu bemerken, die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) würden heuer 40 bis 45 Mrd. Dollar betragen, deutlich weniger als im Spitzenjahr 2007. Auch die Kredite würden in Russland teurer werden.

Konsolidierung am Bankenmarkt

Nach wie vor überzeugt ist Stepic von einer bevorstehenden Konsolidierung auf dem russischen Bankenmarkt - allerdings noch nicht jetzt. Erst in fünf bis sechs Jahren werde sich die Anzahl der Banken in Russland von derzeit 1.200 auf 600 reduzieren. Vorerst seien die Erträge aber noch so hoch, "dass auch Nischenbanken noch überleben können".

In Kasachstan will Stepic Mitte 2009 oder spätestens Anfang Herbst mit einer eigenen Bank an den Start gehen. "Wir werden mit 100 Mio. Euro Eigenkapital beginnen." Die neue Bank werde voraussichtlich als Tochtergesellschaft der russischen RI-Tochter gegründet.

Weitere Zukäufe in Russland, wo man derzeit einen Marktanteil von 2,3 Prozent habe, seien derzeit nicht geplant. Man sei bereits in 43 Regionen in Russland vertreten und es würden ihm derzeit nur regionale Banken angeboten, die mehr Aufwand als Nutzen bringen würden. Auch eine Expansion weiter in Richtung Osten werde es vorerst nicht geben, "weil die Märkte, in denen wir bereits vertreten sind, noch sehr großes Entwicklungspotenzial haben".  (APA)

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