Lehman Brothers schockt Märkte

10. September 2008, 18:34
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Die Korean Development Bank (KDB) beendete die Einstiegs-Verhandlungen. Ein herber Rückschlag für die US-Investmentbank, die im dritten Quartal 3,9 Milliarden Verlust einfuhr

New York - Die US-Bank Lehman Brothers kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Lehman reagierte am Mittwoch auf jüngste Kursabstürze mit einer Vorverlegung der Veröffentlichung ihrer Quartalsprognose. Die Aktie der viertgrößten US-Investmentbank war bereits am Dienstag um 45 Prozent eingebrochen, nachdem die staatliche Korea Development Bank Lehman nun doch keine Kapitalspritze verabreichen wird.

In einer eilig angekündigten Konferenzschaltung enttäuschte Lehman-CEO Dick Fuld die Analysten ein weiteres Mal. Während sie den Verlust im dritten Quartal auf 2,2 Milliarden Dollar geschätzt hatten, wird er laut Lehman bei 3,9 Milliarden Dollar liegen.

Dick Fuld, am längsten dienender Vorstandsvorsitzender an der Wall Street, kommt damit immer stärker unter Druck, die Bank umzustrukturieren. Merrill Lynch-Analysten kritisierten nach der Konferenzschaltung, dass keine der "strategischen Initiativen", die Lehman Brothers zur Finanzierung vorstellen wollte, konkret waren. Zwar möchte Fuld die Vermögensverwaltungssparte verkaufen, aber woher anderweitig noch dringend nötiges Kapital herkommen solle, konnte er nicht sagen. Statt konkreter Antworten "hustete Fuld nervös", bemerkte Financial-Times- Journalist Neil Hume während der Konferenzschaltung im Marketlive-Chat seiner Zeitung.

Statt über Lösungen sprach Fuld über die Probleme: Die Verluste seien eine Folge weiterer Abschreibungen auf Hypothekarpapiere. Auch mit Hedge Fonds hätte die Bank kein glückliches Händchen gehabt. Als Ausweg wartete Fuld nur mit weiteren Stellenstreichungen auf, nachdem Lehman bereits 1500 Stellen abgebaut hatte. Die Ergebnisse von Lehman trüben auch die Prognosen für andere Banken, die im US-Hypothekenmarkt investiert sind. Die Bank hat die Bewertungen der schlecht besicherten Subprime Mortgages drastisch gekürzt, von 55 auf 39 Cent pro Dollar - das dürfte anderen noch bevorstehen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe,11.9.2008)

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    Ein herber Rückschlag für die angeschlagene US-Investmentbank: die südkoreanische KDB hat die Übernahme-Verhandlungen abgebrochen.

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