Großer Markt mit großen Gräben

10. September 2008, 09:49
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Asien gilt als Hoffnungsmarkt in der Telekombranche. Doch bei den Nutzungsmöglichkeiten ist der Graben zwischen armen und reichen Ländern nach wie vor gravierend.

Die Filipinos lieben es, einander SMS zu schicken - 650 kurze Botschaften werden durchschnittlich pro Kopf und Monat versendet. Die Bewohner Südkoreas freuen sich über eine der weltweit höchsten Dichten an Breitbandanschlüssen - 80 Prozent aller Haushalte werden erreicht. Und allein in Indien und China lebt fast ein Viertel der Besitzer von Mobiltelefonen weltweit: zusammen 880 Millionen Menschen.

48 Prozent aller Festnetzanschlüsse in Asien

48 Prozent der weltweiten Festnetzanschlüsse liegen in der Asien-Pazifik-Region von Japan bis Neuseeland, von Indien bis Südkorea und China, 42 Prozent der Handy-Kunden sind hier zu Hause und 42 Prozent der Internetnutzer. Der Mobiltelefonmarkt ist in den vergangenen fünf Jahren fast jährlich um 30 Prozent gewachsen. Asien kann mit einer wahren Flut von Superlativen aufwarten, was die Verbreitung und Nutzung von Telekommunikation angeht.

Doch wird bei der Nutzung moderner Kommunikationstechnologien im boomenden Asien einmal mehr die Kluft zwischen Arm und Reich zementiert. Die Internationale Union für Telekommunikation (ITU), eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, hat in einer Studie für die Region dramatische Unterschiede in den Nutzermöglichkeiten festgestellt. Besonders deutlich wird dies beim Breitband-Internet.

Teures Breitband

"In manchen Ländern sind die Kosten für Breitband höher als das monatlich verfügbare Einkommen", erklärt Studienautorin Vanessa Gray. In Bangladesch liegen die Breitbandtarife zwischen 45 und 70 Dollar pro Monat - was in etwa einem durchschnittlichen Monatslohn entspricht. In Thailand, das von einem starken Stadt-Land-Gefälle geprägt ist, legen die Nutzer zwischen 30 und 70 Dollar für einen schnellen Internetzugang hin. Im Tigerstaat Südkorea, erhält man Internet mit Höchstgeschwindigkeiten dagegen um 30 Dollar pro Monat.

Anders als in den einkommensstarken Ländern wie Südkorea oder Japan mangelt es in den strukturschwachen Regionen des asiatisch-pazifischen Raums am Wettbewerb zwischen den Anbietern hinsichtlich Kapazitäten und Preis. Hinzu kommt, dass in den einkommensschwachen Ländern Südostasiens erst einmal die Versorgung mit Mobiltelefonie und Basisinternet angestrebt wird. Hohe Breitbandkapazitäten haben da noch keine Priorität.

Anfang September, als in Thailand erneut der politische Ausnahmezustand ausgerufen wurde, nannte Telekom-Minister Mun Patanotai im Gespräch mit dem Standard den Grund dafür, warum sein Land bei der Einführung neuer Technologien hinterherhinke: "Aufgrund der politischen Verhältnisse hatten wir schon viele Ministerwechsel hier. Um ehrlich zu sein, wir sind sogar hinter Laos und Kambodscha, was die Einführung der 3G-Technologie betrifft." (Andrea Waldbrunner aus Bangkok/ DER STANDARD Printausgabe, 10. September 2008)

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    Der Mobiltelefonmarkt ist in der Region Asien/Pazifik in den vergangenen fünf Jahren jährlich um 30 Prozent gewachsen. In den ärmeren Ländern mangelt es jedoch an Internetzugängen

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