In Telekom-Bespitzelungsaffäre mehr Journalisten betroffen

10. September 2008, 09:39
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Staatsanwalt: "Wir wissen inzwischen, dass es kein Einzelfall war"

In der Telekom-Bespitzelungsaffäre sind Medienberichten zufolge mehrere Journalisten zum Ziel von Ausforschungen geworden. Nach Informationen des "Handelsblattes" (Mittwochausgabe) aus Ermittlerkreisen sollen Mitarbeiter der Telekom Telefonate von insgesamt fünf bis sechs Journalisten überprüft haben. Den Bonner Staatsanwalt Friedrich Apostel zitiert die Zeitung mit den Worten: "Wir wissen inzwischen, dass es kein Einzelfall war."

Personen sollen informiert werden

Auch die "Financial Times Deutschland" (FTD) und das Magazin "Capital" berichten, der Kreis der Journalisten, die von der Telekom bespitzelt worden seien, sei größer als bisher bekannt. Demnächst würden "Personen, die von nicht rechtmäßigen Maßnahmen betroffen sein" angeschrieben und informiert, heißt es unter Berufung auf die Bonner Staatsanwaltschaft.

Umfang unklar

Bisher ist unklar, welchen Umfang die Bespitzelung bei der Telekom gehabt hat. Das Unternehmen selbst hat eingeräumt, dass im Jahr 2005 und wohl auch 2006 widerrechtlich Verbindungsdaten ausgewertet wurden. Ziel war nach Angaben aus Konzernkreisen herauszufinden, wer die Presse mit vertraulichen Informationen versorgte.

Ermittlungen gegen Ex-Chef Ricke

Vorstandschef René Obermann argumentiert, er habe nur Kenntnis von einem Fall, bei dem Telefondaten eines Journalisten und eines Aufsichtsrates abgeglichen worden seien. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen den damaligen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Vorsitzenden des Telekom-Aufsichtsrates, Klaus Zumwinkel. Konzernchef René Obermann hat im Mai Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet.

Noch nicht alle Unterlagen gesichtet

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind allerdings noch nicht abgeschlossen. "Wir haben noch lange nicht alle Unterlagen gesichtet", sagte Apostel dem "Handelsblatt". "Deshalb können wir nicht ausschließen, dass weitere Personen betroffen sind." (APA/dpa)

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