Analyse: Alexander Van der Bellen (Grüne) - Heinz-Christian Strache (FPÖ)

10. September 2008, 07:18
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Tatjana Lackner, Politiker-Profilerin und Direktorin der Schule des Sprechens, analysiert für den STANDARD die politische Rhetorik der TV-Konfrontationen

Das TV-Duell zwischen FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und dem Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen zeigte unterschiedliche Tempobedürfnisse in der Gesprächsführung: 120 treffen auf 30 Worte pro Minute. Auffahrunfälle und Themenstaus sind somit programmiert! Knackige Sager gab es auf beiden Seiten: Van der Bellen bezeichnete die Erstgespräche zwischen FPÖ und SPÖ als "Wachteleier- Koalition."

Strache zitierte den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, ohne ihn als Quelle zu nennen, beim Thema: Ist den Grünen Tierschutz wichtiger als Menschenleben?

Auffallend war, dass der grüne Bundessprecher - als erster Politiker in diesem Vorwahlkampf - die Zielgruppe der 16-Jährigen mehrmals adressierte: "Die Jugend werde ich immer verteidigen!" Darüber hinaus: "Öffis für Jugendliche sollen gratis sein!"

Stimme abgeben

Gerade bei Vielsprechern ist es nötig, den Sprechapparat gesund und einsatzfähig zu halten. Hätte Strache beizeiten das Handwerk der Modulation erlernt, würden seine Stimmlippen besser schließen. Einige Male schien es so, als hätte er Sodbrennen. Sauer aufgestoßen ist es zwischendurch dann eher Van der Bellen: "Entweder wir diskutieren, oder wir halten uns Unwahrheiten vor."

Über den FPÖ-Tellerrand blickend, präsentierte sich der grüne Spitzenkandidat als kosmopolitischer Denker. Vor Straches Politik warnend, lehnte er die "Provinzialisierung Österreichs" ab.

Der Wahlkampf geht nun dem Höhepunkt entgegen - nicht einmal drei Wochen bleiben jedem Spitzenkandidaten, um durch Lösungen zu überzeugen. Jetzt geht es darum, mit frischen Gedanken zu punkten. Gerade beim "Pferderennen um Platz drei" bräuchte es präzise Fragen und Antworten, die dem Gegenüber wenig Interpretationsspielraum lassen.

Einfache Sager

Nur die mediale Performance betrachtet, hatte Heinz-Christian Strache folgendes Problem: Er sah weltmännischer aus, als er klang. Besonders neben Van der Bellen - einem formulierungsstarken Gegner -, der immer wieder internationale Vergleiche einbrachte, war das auffallend.

Dafür konnte der FPÖ-Kandidat seiner Zielgruppe einfache Sager vermitteln. Damit sicherte er den Weitererzählwert. Doch beim Thema Minarette musste er sich von Van der Bellen auslachen lassen: "Sie machen Politik für ängstliche Männer - ich vertrete mutige Frauen." (Tatjana Lackner, DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)

 

 

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