Hausbesetzung bei Kaffee und Kuchen

9. September 2008, 20:17
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Aktivisten fordern Stopp für Abriss der Stadt des Kindes

Wien - Von einem idyllischen Frühstück im Freien konnte am Dienstagvormittag in der Stadt des Kindes keine Rede sein, eher von einem skurrilen. Denn die Gruppe von Menschen, die sich demonstrativ an die Tische im Eingangsbereich des abbruchreifen Gebäudes in die Mühlbergstraße 9 in Wien-Penzing gesetzt hatte, wurde von Polizisten überwacht. Dazu lieferten Baumaschinen ein monotones Hintergrundgeräusch.

Der Grund für den Polizeieinsatz war die Räumung des ehemaligen Kinderheimes am Stadtrand. Am Samstag hatte die Initiative "Kulturraum" die Stadt des Kindes besetzt, um deren Abriss zu verhindern. Die 30 jungen Menschen fordern ein selbstverwaltetes Kulturzentrum, das als "Treffpunkt ohne Konsumzwang" für die Wiener dienen soll. Am Dienstag rückten 50 Polizisten an, um die Besetzer herauszuholen, damit die Abbrucharbeiten fortgesetzt werden können. Der Einsatz verlief friedlich, allerdings wurde noch extra das Frühstück veranstaltet.

Die Proteste gegen den Abbruch des ehemaligen Kinderheimes am Stadtrand reißen nicht ab, seit bekanntwurde, dass anstatt des Baus aus den 70er-Jahren eine Wohnhausanlage mit 240 Wohnungen errichtet werden soll.

Ulla Throm-Gruber, die eine Bürgerinitiative zur Rettung der Stadt des Kindes gegründet hat, ist darüber empört und fühlt sich von den Politikern überrumpelt. "Nur weil der Putz abbröckelt, wurde das Gebäude als Abbruchhaus deklariert, dabei wurde versprochen, dass es nicht abgerissen wird." Sie wünscht sich dort kulturelle Angebote für Kinder und Jugendliche.

Unterstützung bekommen die Initiativen von den Wiener Grünen. Planungssprecherin Sabine Gretner versorgte die Hausbesetzer am Dienstag mit Gebäck und Kuchen. Den Vorwurf, dass sie die Hausbesetzung für den Wahlkampf missbraucht, will sie nicht hinnehmen. "Wir haben uns schon vor Jahren für eine soziale Nutzung eingesetzt." Im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) hält man den Abbruch wegen der schlechten Bausubstanz für notwendig. "Das Schwimmbad und die Sporthalle bleiben aber erhalten" , sagt eine Sprecherin. Über die Besetzung ist sie verwundert. Weder dem Stadtrat noch dem Bauträger Arwag hätten die Initiativen konkrete Pläne zur neuen Nutzung vorgeschlagen. (Marijana Miljković, DER STANDARD - Printausgabe, 10. September 2008)

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