Kopf des Tages: Der HipHop zum Urknall von Genf

9. September 2008, 19:30
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Die 23-jährige Amerikanerin Kate McAlpine wiegt sich als "Alpinekat" im Rhythmus und reimt die Vokabel der Teilchenphysik - mit Video

Statt im goldenen Cadillac tauchen diese Rapper im kleinen weißen Fiat auf. Zu treibenden Beats und einer Computerstimme, die vom Astrophysiker Stephen Hawking sein könnte, tanzt ein Rudel mit Schutzhelmen und weißen Labormänteln, manche auch mit orangen Schutzanzügen bekleideter Leute zum weltgrößten Teilchenbeschleuniger im Cern bei Genf hinunter.

Vor riesigen Detektoren, wo ab heute versucht wird, im Large Hadron Collider (LHC) den Urknall nachzustellen, wiegt sich "Alpinekat" im Rhythmus und reimt die Vokabel der Teilchenphysik. "27 Kilometer ist der unterirdische Tunnel, geschaffen, damit Protonen sausen dort ganz schnell." Zu wackligen Tanzschritten wird dann reimend auch erklärt, was die Higgs-Teilchen, nach denen in Genf gesucht wird, mit der Schwerkraft zu tun haben.

"Large Hadron Rap"

"Die Physik ist in Ordnung" sagte Cern-Sprecher James Gillies. Deshalb habe man der 23-jährigen Amerikanerin Katherine McAlpine erlaubt, mitten in der gewaltigsten Testanordnung aller Zeiten ihr Video zu drehen, das inzwischen auf YouTube schon fast 1,5 Millionen Mal aufgerufen worden ist.

Wie gerufen gegen Weltuntergangsängste

"Einige der Wissenschafter fürchteten, dass es verdummend wird", sagte McAlpine. Die Cern-Leitung war aber offenbar bemüht, den auch im Internet grassierenden Weltuntergangsängsten wegen ihres Experiments etwas Freundliches entgegenzustellen. Alpinekat kam da wie gerufen. Sie hat an der Michigan State University Physik und "professionelles Schreiben" studiert. Sie betrachte sich als "Abenteuerin im Reich der Ideen" und habe ihr Camp "an der Kreuzung von Wissenschaft und Schriftstellerei", schreibt sie.

Kaum hatte sie die beiden Bachelor-Abschlüsse in der Tasche, absolvierte sie ein Praktikum bei der American Physical Society in Washington und dann im Fermilab, dem US-Teilchenbeschleuniger in Illinois. Die Interessen junger Studenten, etwa für den Rapper Eminem, nahm sie mit. Der wäre zwar ein "Misanthrop", seine Reime seien aber clever, sagte McAlpine, die schon in den USA einen "Neurochip Rap" aufnahm.

Das war bekannt, als sie sich bewarb, in der Pressestelle des Cern zu arbeiten. Abseits der Arbeit ist man dort recht locker. So gibt es jedes Jahr ein "Hardronic"-Musikfestival, das Cern-Mitarbeiter bestreiten. Stars sind Les Horribles Cernettes, vier ABBA-artige Sängerinnen, die natürlich auch auf YouTube zu sehen sind. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)

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    Kate McAlpine reimt im "Large Hadron Rap" Physikalisches.

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