"Es geht nur noch ums Gewinnen. Mit dem Titel sieht alles viel besser aus"

9. September 2008, 19:14
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Roger Federer ist glücklich darüber, gezeigt zu haben, dass die Dinge für ihn nicht so schlecht stehen, wie einige dach­ten - ein Interview

New York - Der Schweizer Roger Federer hat nach seinem fünften US-Open-Titelgewinn in Folge nur 20 Minuten geschlafen, ehe es für ihn am Dienstag zu Auftritten in zwei amerikanischen TV-Morgenshows ging. Am Vormittag folgte ein Fotoshooting im Empire State Building, am Donnerstag kehrt er erstmals seit Olympia in Peking in die Schweiz zurück. Davor stand er der Schweizer Agentur Sportinformationsdienst (Si) Rede und Antwort.

Roger Federer, ist dieser Sieg nach den Enttäuschungen in diesem Jahr eine Art Erlösung?

Federer: "Ich hatte nie das Gefühl, hier gewinnen zu müssen, um etwas zu beweisen. Hätte ich viermal in Folge in der ersten Runde eines Major-Turniers verloren, dann hätte ich etwas beweisen müssen. Aber ich stand in diesem Jahr so oft vor großen Siegen, dass ich zu keinem Zeitpunkt wirklich besorgt war. Eine Erlösung ist es also nicht wirklich. Ich bin glücklich darüber, gezeigt zu haben, dass die Dinge für mich nicht so schlecht stehen, wie einige dachten. Immer mehr Personen, Psychiater und andere Experten wollten mir ihre Hilfe anbieten. Das war nicht lustig. Ich hoffe, dass sich diese Leute nun beruhigen werden."

Sie haben während den letzten beiden Wochen mehr Emotionen gezeigt als üblich. Gibt es dafür einen speziellen Grund?

Federer: "Ich war sehr glücklich nach dem Olympiasieg mit Stan (Anm.: Stanislas Wawrinka). Wir hatten in Peking eine unglaubliche, sehr emotionale Zeit. Ich denke, ich bin in diesem Gemütszustand geblieben. Hier habe ich einige sehr gute Spieler unter schweren Umständen geschlagen, dies führte zu meinen Gefühlsausbrüchen. Gegen Ende des Turniers und speziell im Finale hatte ich alles unter Kontrolle und musste nicht mehr so stark aus mir herausgehen. Das war gut, ich konnte Energie sparen und konzentriert bleiben."

Sie hatten vor dem Turnier auf die Unterstützung der Tennis-Fans in New York gehofft. Sie wurden nicht enttäuscht.

Federer: "Die Eröffnungszeremonie am ersten Montag mit dem Einmarsch der früheren Turniersieger war unglaublich. Der Empfang, der mir bereitet wurde, hat mich wirklich berührt. Danach wurde ich in jedem Match unterstützt. Das bedeutet mir sehr viel, weil ich nicht der Typ bin, der das wirklich sucht. Wenn es auf natürlichem Weg kommt, ist dies das größte Kompliment, das ein Spieler bekommen kann."

Jetzt, wo sie das US Open gewonnen haben, wie fällt ihre Jahresbilanz aus?

Federer: "Ich wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn ich erneut im Finale verloren hätte. Für mich wäre es ein verlorenes Jahr gewesen, weil Halbfinali und Finali mir nicht mehr viel bringen. Es geht nur noch ums Gewinnen. Mit diesem Titel sieht alles viel besser aus. Obwohl ich in diesem Jahr weniger Turniere gewonnen habe, bin ich zufrieden. Und es folgen noch einige Highlights, auf die ich mich freue, wie der Davis Cup, Basel und das Masters in Shanghai."

Wie schätzen sie ihre Chancen ein, in der Weltrangliste wieder die Nummer 1 zu werden?

Federer: "Rafael Nadal spielt eine unglaubliche Saison. Er hat in den letzten Monaten fast alles gewonnen - Olympische Spiele, Wimbledon, French Open, Toronto. Ich weiß, dass es sehr schwierig wird, wieder die Nummer 1 zu werden, aber der US-Open-Titel war sicherlich ein wichtiger Schritt dorthin. Mein Fokus richtet sich vorläufig darauf, die Saison gut zu Ende zu bringen. Ich werde dann im nächsten Jahr mehr Möglichkeiten haben, Punkte gutzumachen, speziell bei den Masters-Series-Turnieren, aber auch bei den Grand Slams." (APA/Si)

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    Roger Federer, fünfmaliger US-Open-Sieger, beim Fotoshooting am Empire State Building.

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