Kuba nach Hurrikan "Ike" ohne Strom

9. September 2008, 21:02
11 Postings

Havanna liegt seit Montagabend im Dunklen - Probleme mit Trinkwasserversorgung - Hurrikan nimmt Kurs auf Texas

Havanna/Washington - Nach dem Durchzug des Hurrikans "Ike" hat Kuba am Dienstag (Ortszeit) fast vollständig im Dunkeln gelegen. In elf von 14 Provinzen gebe es keinen Strom, teilte der nationale Stromversorger mit. Teilweise habe "Ike" das Stromnetz beschädigt, andernorts habe der Anbieter das Netz vorsorglich abgeschaltet, um Unfälle zu vermeiden, berichtete das staatlichen Fernsehen.

Die Hauptstadt Havanna mit 2,2 Millionen Einwohnern liegt seit Montagabend im Dunklen. Dort beeinträchtigte der Stromausfall auch die Trinkwasserversorgung. Nur in den östlichen Provinzen Guantanamo, Santiago de Cuba und Granma gingen am Dienstagabend die Lichter an.

Momentan befindet sich "Ike" ist über dem Golf von Mexiko, dort könnte er wieder stärker werden. Die Einwohner von Nordmexiko und dem US-Staat Texas bereiten sich darauf vor, dass sie der Wirbelsturm am Wochenende trifft. 

 

 

Vier Tote in Kuba

"Ike" ist der vierte atlantische Hurrikan dieses Jahres. Er hat nach offiziellen Angaben bisher 70 Menschen in den Tod gerissen, darunter 66 in Haiti. Von den vier Opfern in Kuba kamen laut Verteidigungsministerium zwei beim Abbau von Antennen durch Stromschläge ums Leben, die beiden anderen starben in den Trümmern ihrer Häuser. Am schlimmsten traf es nach lokalen Medienberichten die Küstenstadt Baracoa in der Provinz Holguin. Allein dort seien über 1000 Hauser schwer beschädigt oder komplett zerstört worden.

Überschwemmungen

In Camagüey wurde die historische Altstadt nach einem plötzlichen Platzregen überschwemmt. 4000 Einwohner hätten gerettet werden müssen, berichtete die örtliche Presse. Im ganzen Land wurden Bananen- und Avocadoplantagen sowie andere riesige landwirtschaftliche Anbauflächen verwüstet. Bäume stürzten auf Straßen und Häuser, Telefonmasten knickten wie Streichhölzer um. In vielen Ortschaften kam es zu Überschwemmungen.

Nach Angaben des Hurrikanzentrums wird der Wirbelsturm über dem Golf von Mexiko nach Westen drehen. Dadurch werden Florida und Louisiana verschont, die bis dahin als bedroht galten. Stattdessen rüsten sich nun die Behörden in Texas und Nordmexiko gegen "Ike". Die Bürgermeisterin von Galveston südöstlich von Houston, Lyda Ann Thomas, empfahl den Einwohnern, Waren einzulagern und sich auf Stromausfälle einzustellen. Evakuierungen seien nicht geplant.

Dramatisch blieb die Lage insbesondere im nahen Haiti auf der Nachbarinsel Hispaniola, wo die Überschwemmungsgebiete weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten waren. 66 Menschen kamen dort durch "Ike" ums Leben, 59 davon in der Stadt Cabaret rund 35 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Damit sind in Haiti seit Mitte August durch die Wirbelstürme "Fay" (50 Tote), "Gustav" (59), "Hanna" (167) und "Ike" (66) mindestens 342 Menschen ums Leben gekommen. Zudem gelten zahlreiche Bewohner als verschollen.

Die Deutsche Welthungerhilfe rechnet damit, dass die Lage in Haiti und Kuba auf längere Sicht sehr angespannt bleibt. Vordringlichste Aufgabe in Kuba sei die Notversorgung der Sturmopfer sowie die Reparatur der Schäden. Mittelfristig müsse aber dabei geholfen werden, dass die eigene Landwirtschaft wieder in Gang komme. (APA/dpa)

  • In Havanna wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.
    foto: epa/alejandro ernesto

    In Havanna wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.

Share if you care.