Porträt: Laura Rudas - Die Junge, die wie eine Alte klingt

9. September 2008, 17:37
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Mit 27 hat es Laura Rudas in die erste Reihe der SPÖ geschafft - doch ihr Aufstieg ist nicht unumstritten

Wien - „Hab ich da eine faire Chance?": Laura Rudas reagiert auf die Interviewanfrage des Standard misstrauisch. Sie hat schon einige Porträts über sich gelesen, kaum eines hat ihr gefallen. Weil die Autoren meist „eine vorgefasste Meinung" vertreten hätten. Laura Rudas ist jung, fesch, erfolgreich. Kein anderes Gesicht, von jenem des Parteichefs abgesehen, rückt die SPÖ im Wahlkampf so sehr in den Vordergrund. Auf der roten Kandidatenliste okkupiert die 27-Jährige Platz vier, ständig tritt sie mit Werner Faymann auf. Leistet sie sich keinen groben Schnitzer, dann wird Rudas einmal Ministerin, vielleicht sogar mehr. Doch die Medien stellen ihr ständig nur dieselbe Frage: „Warum sind Sie so angepasst?"

Widerborstig in der Schule ...

Jungpolitikerin - das klingt in der SPÖ nach Rebellion, nach Heldengeschichten von aufmüpfigen Nachwuchgenossen, die mächtige Landeshäuptlinge gequält, den Moskauer Boden geküsst und sich sogar mit Bruno Kreisky angelegt haben. Auch Rudas kann mit Revoluzzerjahren aufwarten, nur spielten sich diese im beschaulichen Ambiente eines Gymnasiums im Wiener Nobelbezirk Döbling ab. Vier Verweise handelt sie sich ein, die Lehrer der „schwarzen" Schule haben sie wohl für eine verzogene Promi-Göre - ihr Vater ist der bekannte Psychiater Stephan Rudas - gehalten. Als einmal Wilhelm Molterer, schon damals Minister, zu einer Diskussionsstunde geladen ist, bekommt der goscherte Teenie mit den Rastazöpfen die Anweisung: „Du bist nicht dabei!"
Beim Lernen plagt sich Rudas, in Physik fasst sie einen Nachzipf aus. „Die Schule ist schuld", glaubt sie schon damals und fühlt sich bestärkt, als die Zuwandererkinder nach der Unterstufe plötzlich aus den Klassen verschwinden. „Soziale Selektion in Österreichs Schulen" lautet zehn Jahre später der Titel ihrer Diplomarbeit.

... geschmeidig in der Partei

So widerborstig sich Rudas in der Schule gibt, so geschmeidig bewegt sie sich in der Partei. Die einstige Döblingerin wohnt in der Wohnung ihrer Großmutter im ersten Bezirk, ihre Hausmacht hat sie sich aber im tiefroten Rudolfsheim-Fünfhaus aufgebaut. Schon mit 17 SPÖ-Mitglied, fällt sie bald den Regenten im Wiener Rathaus auf. Als Mentorin nennt Rudas Vizebürgermeisterin Renate Brauner, ebenfalls als Förderer gilt Landesparteisekretär Harry Kopietz. Im Wien-Wahlkampf 2001 spielt Rudas noch die wilde Einpeitscherin, die der Parteijugend Feuer macht, drei Jahre später zieht sie selbst in den Gemeinderat ein. Heute, nach eineinhalb Jahren im Parlament, klingt die Junge fast schon wie eine Alte. Heikle Fragen, vom EU-Schwenk bis zur Gusenbauer-Ablöse, pariert sie mit roter Standard-Argumentation, ihre Rhetorik passt Rudas der Situation an: vorsichtig bei Interviews, schnoddrig-aggressiv in der Konfrontation mit Gegnern. Als hochprofessionell loben sie ihre Freunde in der Partei. Andere nennen sie arrogant - oder meinen, sie werde verheizt. „Sie versteht es meisterhaft, mit den wichtigen Playern gut auszukommen", urteilt ein junger Roter, der sich nicht öffentlich den Mund verbrennen will. Als die Parteijugend 2007 gegen den Pakt mit der ÖVP und die Studiengebühren den Aufstand probte, sei Rudas „auf Tauchstation" gegangen; während sich andere Nachwuchshoffnungen wie Ex-ÖH-Chefin Barbara Blaha ihre Parteikarriere verbaut hätten, dürfe ihre flexiblere Genossin nun in der ersten Reihe stehen.
Rudas lässt das nicht auf sich sitzen. „Ich hätte ein Riesenbahö machen können, ohne dass es mir geschadet hätte", meint sie: „Aber der Sache hätte es nichts genützt." Sehr wohl melde sie sich in der Partei zu Wort, wenn sie anderer Meinung sei - so plädiere sie für ein milderes Fremdenrecht. Nur hänge sie das nicht an die große Glocke: „So bringt man mehr weiter. Ich bin gegen Scheinpolitik."


Und weiterbringen will Rudas etwas - im Wahlkampf auch mit körperlichem Einsatz. Im Morgengrauen verteilt sie Kipferl an Arbeiter, nach Sonnenuntergang ködert sie Bobos im Museumsquartier. Mit dem 75-jährigen Karl Blecha macht Rudas einen auf Zusammenhalt der Generationen, für News posiert sie als Vamp. Viele Rollen für eine junge Karriere - ob der Eindruck zu großer Wendigkeit vielleicht daher kommt? Rudas widerspricht: „Ich verändere mich nicht unnatürlich schnell." (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 10. September 2008)

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    foto: standard/urban

    Roter Jungstar Rudas: Faymanns Frau im Wahlkampf.

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