Was die Technologien sauber macht

9. September 2008, 19:36
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Bei der Copenmind in Kopenhagen waren auch drei österreichische Universitäten vertreten

Der Markt für saubere Technologien (Clean Tech) ist abseits von Analystenmeinungen ein boomender. Nicht zuletzt steigende Energiepreise und anwachsende Umweltprobleme lassen die Forschungsförderungen in diesem Bereich in allen Regionen der Welt sprudeln. Doch was passiert mit den Forschungsergebnissen? Sie müssen die erste Hürde überwinden, indem sie von der Wirtschaft wahrgenommen und in Produkte umgesetzt werden. Mit der Copenmind in Kopenhagen wurde eine Mischung aus Messe und Konferenz ins Leben gerufen, auf der rund 125 Forschungsinstitutionen und Universitäten sowie deren 156 Sprecher ihre Forschungsprojekte und Fallbeispiele zur Umsetzung in vermarktbare Produkte präsentierten. Sie stellten 70 Clean-Technologieprojekte vor, die mehr als 4000 Investoren gegenüberstanden.

Neben namhaften Institutionen aus den USA wie dem Massachusetts Institute for Technology (MIT), der Columbia University, dem deutschen Max-Planck-Institut, dem Tokai-Institut aus Japan, dem chinesischen Zheijang-Institut und der École Polytechnique aus Frankreich war Österreich mit der Universität Innsbruck sowie den Technischen Universitäten Graz und Wien vertreten. Aber auch Forschergruppen von Boeing, Mitsubishi oder Siemens zeigten ihre aktuellen Forschungsergebnisse aus dem Bereich Clean-Tech.

Für die Teilnehmer aus Innsbruck war die Veranstaltung erfolgreich, jubelt Sara Matt-Leubner, Geschäftsführerin der Trans IT, des Entwicklungs- und Transfercenters der Universität Innsbruck. Die Tiroler stellten mit dem Protonentransferreaktionsmassenspektrometer (PTRMS) ihre ionenanalytische Methode der Gasanalyse vor.

Diese Technologie schafft es im Vergleich zu bisherigen Methoden innerhalb kürzester Zeit, flüchtige, komplexe organische Luftverschmutzungen exakt zu messen. Diese Methode ist nicht nur für die Luftgütemessung, sondern auch im Bereich der Lebensmittelforschung und bei Produktionsprozessen, also in allen Bereichen, wo es um Detektion von Komponenten in der Luft geht, in der Industrie einsetzbar. Fertige Messgeräte werden bereits von dem aus dem Projekt entstandenen Unternehmen (Spin-off) Ionicon Analytik produziert und vermarktet.

Die zweite auf der Copenmind präsentierte Innsbrucker Innovation war die Deammonifikation von Abwässern. Dieses Verfahren wird in Kläranlagen angewandt, um die massiven Stickstoff- und CO2-Emissionen zu senken. Neben einer hohen Kosteneinsparung wird dem Treibhauseffekt entgegengewirkt und zudem im Vergleich mit herkömmlichen Methoden Energie gespart.

Biogasanlage

Mit dem dritten Projekt, der Kleinbiogasanlage Bio4Gas hat die Uni Innsbruck jedoch noch größeres Interesse hervorgerufen. Über sie wurde sogar eine der 30 ausgewählten Vorträge in Kopenhagen gehalten, was zu regem Interesse am Tiroler Projekt geführt hat. Matt-Leubner: "Zu Bio4Gas haben wir in Kopenhagen die meisten, nämlich rund 25 Anfragen gehabt" , so die Trans IT-Geschäftsführerin gegenüber dem Standard . Jetzt soll ein Spin-off gegründet werden, das sich um die Produktion und Vermarktung der Kleinbiogasanlage kümmert.

Aber auch die Technische Universität Wien erregte mit den intermetallischen Einschlussverbindungen (Clathrate) ihrer neuen Materialklasse für thermoelektrische Anwendungen Aufsehen. Diese machen es möglich, Abwärme in elektrische Energie oder aktive Kühlung umzusetzen. Zweites präsentiertes Projekt der Wiener war eine Analysemethode, die bei Kulturpflanzen kostengünstig und schnell Pilzbefall in der Landwirtschaft feststellen kann. So soll Missernten vorgegriffen und die Qualität von Lebensmitteln gehoben werden.

Die Grazer TU hingegen beschränkte sich auf die Weitergabe ihres Know-hows im Bereich des Technologietransfers, also die Übertragung von Forschungsergebnissen auf die Wirtschaft. Gerade dazu sei die Copenmind der ideale Platz, so Matt-Leubner. (kla/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)

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