Inzestverbrechen: Polen zieht Vergleich mit Fall in Amstetten

9. September 2008, 17:27
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Zwei Kinder gezeugt - Mutter schwieg "aus Angst"

Warschau - Zweimal in der Woche habe ihr Mann die damals 14-jährige Tochter vergewaltigt. Immer von 20 bis 21 Uhr. "Ich habe in der Zeit ferngesehen" , bekennt Teresa B. tonlos. Sechs Jahre lang habe er die Tochter immer wieder eingesperrt, wenn sie ihm nicht zu Willen sein wollte, sie geschlagen, vergewaltigt und schließlich zwei Kinder mit ihr gezeugt. Die Mutter der heute 21-jährigen Alicja zuckt mit den Schultern, als sie davon erzählt: "Als ich mit ihm reden wollte, sagte er, dass er ein Recht auf sie habe und ihm auch ein bisschen Entspannung zustehe."

Der Missbrauchsfall von Grodzisk erschüttert ganz Polen. Denn der Inzestskandal im österreichischen Amstetten ist noch präsent. Damals hatten polnische Medien über die angebliche Nazi-Mentalität von Josef F. spekuliert.

Nun starren die Polen entsetzt auf ein Holzhaus in einem Dorf Nordostpolens. Dort wohnte die Familie bis vor kurzem unter einem Dach. "Wir hatten Angst" , sagte die Mutter zur Zeitung Gazeta Wyborcza. "Er drohte uns offen mit dem Tod. Er lachte, dass wir zu dumm seien, um ihm irgendetwas nachzuweisen, und die Polizei zu dumm, um ihn zu schnappen."

Als der 45-jährige Vater aber vor einigen Tagen mit der Axt in der Hand und mit zwei Kumpanen ins Haus des Verlobten seiner Tochter einbrach, sie entführte, zur Großmutter brachte und dort in ein Zimmer einsperrte, war das Maß voll. Mutter und Tochter gingen gemeinsam zur Polizei. Erst Tage später, am Freitag, konnte Krzysztof B. in Siedlce verhaftet werden. Er war auf der Flucht. Mit einer Reisetasche in der Hand wartete der arbeitslose Kraftfahrzeugmechaniker auf den Linienbus nach Italien.

"Schuld bei der Tochter"

In Polizeigewahrsam soll er den jahrelangen Missbrauch der Tochter bereits zugegeben haben, berichtete der Privatsender TVN. Allerdings scheine er sich keiner Schuld bewusst zu sein. Die Schuld treffe vielmehr die Tochter. Sie habe ihn verführt und sogar zum Sex gezwungen, soll er ausgesagt haben. Wenn er nicht mit ihr schlafe, soll sie gedroht haben, gehe sie zur Polizei und zeige ihn wegen Vergewaltigung an.

Die Polizei, die Krzysztof B. für zunächst drei Monate verhaftet hat, sucht nun nach den beiden Söhnen Alicjas. Eine DNA-Überprüfung soll zweifelsfrei klären, ob der Vater Alicjas auch der Vater ihrer Kinder ist. Bei beiden Geburten soll der Vater im Kreißsaal zugegen gewesen sein, die Tochter dann aber gezwungen haben, die Kinder zur Adoption freizugeben. (Gabriele Lesser aus Warschau, DER STANDARD - Printausgabe, 10. September 2008)
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