Kabul verlangt mehr Zugriff auf Hilfsgelder

9. September 2008, 17:05
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Schwere Waffen für Armee verlangt

Berlin - Afghanistan fordert nach der Aufstockung der deutschen Aufbauhilfe mehr Zugriff auf die internationalen Hilfsgelder und schwere Waffen für seine Armee. Die Regierung verwalte nur 20 Prozent der Gelder, werde aber zu 100 Prozent für deren Einsatz und die Korruption im Land verantwortlich gemacht, kritisierte Außenminister Rangin Dadfar Spanta in Berlin.

Die deutsche Bundesregierung beschloss, die Aufbauhilfe für Afghanistan um 30 Millionen auf 170 Millionen Euro aufzustocken. Das Geld solle vor allem für Lebensmittel ausgegeben werden, um den Afghanen über den Winter zu helfen, kündigte Verteidigungsminister Franz Josef Jung in Berlin an. Die internationale Gemeinschaft müsse alle Anstrengungen unternehmen, um die Bevölkerung im Kampf gegen den Terrorismus auf der eigenen Seite zu haben. Hilfsorganisationen hatten vor einer humanitären Katastrophe gewarnt, falls der kommende Winter so hart ausfällt wie erwartet.

Machtlosigkeit

Außenminister Spanta begrüßte die Erhöhung der deutschen Hilfe, kritisierte aber eine zu große Machtlosigkeit seiner Regierung beim Aufbau des eigenen Landes. Hilfsorganisationen und ausländische Staaten kontrollierten die Verwendung von 80 Prozent der Hilfsgelder, bemängelte er. Dabei könnten die Einheimischen die Gelder viel effizienter einsetzen: So koste der Bau eines Klassenzimmers durch Afghanen 13.000 Euro, unter der Regie der Ausländer aber mindestens 45.000 Euro. Bisher werde die internationale Hilfe auch zu schlecht koordiniert.

Außerdem verlangte Spanta dringend eine Aufstockung der afghanischen Armee auf 130.000 Soldaten und ihre Ausrüstung mit schweren Waffen. "Wir sind entschlossen und bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen", sagte er. Schon heute bewältige die afghanische Armee mit 70.000 Soldaten mehr als 50 Prozent der Einsätze. Dabei kämen weit weniger Zivilisten ums Leben als bei Einsätzen der internationalen Truppen. Die afghanische Armee leide aber darunter, dass ihr schwere Waffen, Panzerbrigaden und eine Luftwaffe fehlten.

Aus dem Norden Afghanistans wurden neue Angriffe auf die deutsche Bundeswehr bekannt, bei denen es jedoch keine Verletzten gab. Das deutsche Verteidigungsministerium erklärte, auf einen Konvoi der schnellen Eingreiftruppe seien am Samstag zwei Anschläge mit Sprengfallen verübt worden. (APA/Reuters)

 

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