Mehr Sonnenenergie, weniger Lärm

9. September 2008, 19:35
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Die Stadt Wien vergab 1,5 Millionen Euro an Forschungsprojekte zum Umwelt- und Klimaschutz

Wenn keine Sonne scheint, gibt es auch keinen Strom aus Fotovoltaikanlagen: eine simple Formel. Unter normalen Umständen ist die Herstellung von elektrischer Energie auf diesem Weg also Schwankungen unterworfen. Die Folge: Fotovoltaikanlagen können keine gleichmäßige Energieversorgung garantieren. Das will die Firma Siblik Elektrik mit einem beim Call Vienna Environment 2008 des Zentrums für Innovation und Technologie (ZIT) erstgereihten Projekt ändern. Durch den Einsatz neuartiger Speichersysteme (zum Beispiel: Vanadium Redox Flow Technologie) und durch die Kombination von dezentralen Fotovoltaikanlagen soll es möglich werden, eine stabile Versorgungsqualität mit Energie zu sichern.

Das ZIT, die Technologieagentur der Stadt Wien, fördert Umwelt- und Klimaschutzprojekte im Rahmen des Calls mit 1,5 Mio. Euro. Aus mehr als 40 Einreichungen gingen 14 Kandidaten hervor, die für eine Förderung vorgeschlagen wurden. Für die drei, von einer Jury unter dem Vorsitz der Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Wiener Universität für Bodenkultur erstgereihten Projekte gibt es auch noch Preisgelder.

Den zweiten Preis gewann das Unternehmen psiA-Consult Umweltforschung & Engineering, das die Eisenbahn leiser machen will, "denn auch Lärm ist ein beträchtlicher Umweltfaktor" , wie ZIT-Chefin Anges Streissler bei einem Pressegespräch betonte. Oft ist bei einem lauten Zug nur ein einziges Rad mit einem Fehler auf der Lauffläche für die Lärmbelastung verantwortlich. psiA-Consult will jetzt ein automatisches Messsystem entwickeln, das es möglich macht, diesen Lärmquellen auf die Spur zu kommen - und damit auch ein Sicherheitsrisiko identifizieren. Den dritten Platz erreichte ein Projekt, das Häuselbauer ermöglichen soll, Energiekosten ihres Heims schon in der Planung zu berechnen.

Bauherr und Architekt treffen zwar schon in den frühen Planungsphasen Richtungsentscheidungen, die über die folgenden Kosten entscheiden. Dennoch werden die Energiekosten oft ignoriert - im Mittelpunkt stehen die Baukosten. Mit einem Lebenszykluskosten-Tool will es das Unternehmen e7 Energie Markt Analyse nun ermöglichen, künftige Betriebs- und Energiekosten unterschiedlicher Bauvarianten zu berechnen. Dadurch soll die Umsetzung nachhaltiger und energieeffizienter Gebäudekonzepte forciert werden.

Neuer Routenplaner

Es gibt bereits zahlreiche Routenplanersysteme. Zum Umdenken in Richtung mehr Umweltbewusstsein will die Firma Fluidtime Data Services mit ihrem Vergleichsroutenplaner anregen. Er soll nicht nur zuverlässig die richtige Route zeigen, sondern in einem direkten Vergleich die Umweltauswirkungen darstellen, wenn man für ein und dieselbe Strecke das Auto, öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad benützt. Ziel: Eine klimafreundliche Nutzung von Verkehrsmitteln - in einem ersten Schritt für Wien und Umgebung. Dafür gab es schließlich einen Anerkennungspreis der Jury.

Immerhin 35 der insgesamt 43 eingereichten Projekte - also mehr als 80 Prozent - kamen von Unternehmen, mit weniger als 50 Mitarbeitern. Davon wurden 25 Projekte von Kleinstunternehmen, also Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten, eingereicht.

Die Mehrzahl der eingereichten Projekte (16) befasst sich mit der Thematik Bauen und Werkstoffe, gefolgt von den Bereichen Energie (zwölf), Verkehr (neun), Emissionsvermeidung bzw. -reduktion (drei) sowie Ressourcenmanagement (drei). Laut ZIT-Chefin Streissler soll der Call im nächsten Jahr fortgesetzt werden. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)

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