Validation: Unterstützung am Ende des Lebens

9. September 2008, 16:11
posten

US-Gerontologin Naomi Feil sprach in Wien über Möglichkeiten für den Zugang zu Demenzpatienten

Wien - Die von der renommierten US-Gerontologin Naomi Feil entwickelte Kommunikationsmethode der Validation setzt da an, wo vielen Menschen die Worte fehlen: Es geht in erster Linie um die Aufarbeitung unterdrückter Emotionen als letzte Pflicht alter Menschen und die Schwierigkeiten damit, wenn die Betroffenen dement sind und sich nicht mehr so ausdrücken können, dass es für die Umgebung nachvollziehbar ist. Am Dienstag sprach die in München geborene 76-Jährige darüber vor Journalisten in Wien.

100.000 Menschen in Österreich sind von Demenz betroffen, die sich unter anderem in zeitlicher und örtlicher Desorientierung, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, vermeintlich ziellosem Herumwandern und nicht zuletzt in Aggressionen äußern kann, was die Betreuer vor scheinbar unlösbare Aufgaben stellt. Hinter dem Verhalten der Patienten steckt Logik - die es zu ergründen gilt: nach Naomi Feil durch Zuhören, sich in die Gefühlswelt des Betroffenen hineinzuversetzen und ihm Respekt entgegenzubringen.

Falsch wäre es, die Gefühle abzutun, den Patienten abzulenken und ihn auf diese Weise nicht ernst zu nehmen. "Man schaut nicht nur das Gehirn an, man schaut den ganzen Menschen an", erklärte die Gerontologin.

Als "letzten Kampf alter Menschen", der notwendig sei zur Selbstheilung, bezeichnet Naomi Feil die - zumindest versuchte - Aufarbeitung von Emotionen, die sich im Laufe des Lebens aufgestaut haben, sei es die einst gestörte Beziehung zur Mutter oder das Eingestehen von Fehlern, die jeder im Leben zwangsläufig gemacht hat. Der Betreuer steigt darauf ein, stellt, falls notwendig, kurz die Mutter dar und bewirkt auf diese Weise, dass die Emotionen an Intensität verlieren. "Ziel ist es, mit einem guten Gefühl zu sterben", sagte Feil.

Nicht nur verbal

Die Kommunikation ist bei der Methode der Validation nicht unbedingt verbal, sondern besteht auch darin, dem alten Menschen über die Wange zu streichen, Bewegungen mitzumachen oder mit ihm Lieder aus seiner Kindheit zu singen. Das Verhalten der Demenzpatienten soll weniger schwierig und damit weniger belastend für die Betreuer werden.

Feil hat bereits 1982 ihr erstes Buch über die Methode veröffentlicht ("Validation, ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen") und gilt international als Koryphäe auf ihrem Gebiet. In Österreich ist die Validation nach Angaben des Neurologen Andreas Winkler, Primar im Haus der Barmherzigkeit in Wien, mittlerweile als Standard in allen neuen Abteilungen. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Kommunikation bleibt bei der Methode der Validation nicht unbedingt auf Verbales beschränkt.

Share if you care.