Kosmos Theater: Der Krieg aus weiblicher Sicht

9. September 2008, 18:30
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Reflexionen zu Geschlechter - konstruktionen in der neuen Theater-Saison - Themenschwerpuntk Krieg, monatliche "Ladies Night" und Clowninnenfestival

Wien - "Wir betrachten den Krieg aus weiblicher Sicht", sagte Intendantin Barbara Klein am Dienstag, bei einem Pressetermin. Die Fragen nach Schuld und Sühne, Machtverhältnissen, aber auch Geschlechterkonstruktionen und -politiken sollen laut Klein in mehreren Inszenierungen kritisch hinterfragt werden. Außerdem steht zum zweiten Mal das internationale Clownfrauenfestival auf dem Programm, und die "Ladies Night" präsentiert wieder monatlich Künstlerinnen aus allen Bereichen.

Anarchie und Humor

Auftakt des Themenschwerpunkts ist die erste Eigenproduktion des Kosmos Theaters, "Mädchenzimmer mit Soldaten" am 17. September. "In dem Stück stehen sich abgründiger Humor und Anarchie gegenüber", sagte die Regisseurin Katrin Schurich. Das Grauen des Krieges werde ein Abziehbild für das Grauen, das auch in einer Familie herrschen könne. Ein Kinderzimmer dient als Ort der Erinnerung und Abrechnung mit dem Krieg. Die Autorin von "Mädchenzimmer mit Soldaten", Anna Pein, hat in ihrem ersten Theaterstück auf eine Medienmischung gesetzt: Neben "normalem" Theaterspiel treten auch Puppen auf, die ein Eigenleben im Kinderzimmer führen. Zusätzlich wird die Geschichte verschiedener Personen als Film erzählt. "Das Stück ist eine große Rachefantasie, kombiniert mit verrücktem Humor", so Schurich.

Die Österreichische Erstaufführung von "Splendour" aus der Feder der Waliserin Abi Morgan folgt am 15. Oktober. Regie führte die Australierin Tanya Denny. "Das Stück handelt von vier Frauen im Bürgerkrieg, nach und nach offenbart sich in der extremen Umgebung alles Verborgene, zerbrechen private Fassaden", sagte Denny. Für sie sei es eine wichtige Erfahrung gewesen, als Australierin ein Stück in Österreich zu inszenieren: "In Österreich gibt es eine andere Bühnentradition und ein anderes Bewusstsein, was den Krieg betrifft." In Australien kenne man kriegerische Auseinandersetzungen nur aus dem Fernsehen, so Denny.

Performancekünstlerin Miki Malör

Mit "Tigerbalsam" steht ab 5. November wieder eine Produktion der Wiener Performancekünstlerin Miki Malör auf dem Spielplan des Kosmos Theaters. "Tigerbalsam" versucht, das Unbewusste auf die Bühne zu bringen. Ein Sextett aus drei Männern und drei Frauen zeigt Bilder als "Tableaux Vivants", begleitet von Geräuschen und Filmobjekten. Am 7. und 14. November wird das Bühnenbild im Anschluss an die Vorstellung vom Carpa Theater besetzt, das darin eine spezielle Form von theatralischer Improvisation aufführen wird.

"Am Besten durch die Kiemen mit Musik" ist ein Gastspiel der Grazer Theatergruppe Kernzone 100, das vom 19. bis 22. November gezeigt wird. Dabei werden Kirchenlieder und klassisches Liedgut neu interpretiert. Ab 28. November wird Wien zum zweiten Mal zur Bühne für das "Internationale Clownfrauenfestival". Clownfrauen als Brasilien, Argentinien, Israel, England, der Schweiz und den USA werden dabei sein. "Clowns haben in Österreich keine Tradition, außer vielleicht als Kinderschreck. Uns liegt daran, ClownInnensein als Kunstform zu zeigen", sagte Kuratorin Pamela Schartner. Auf der Welt gebe es nur drei solcher Festivals, deswegen tausche man sich untereinander aus und könne dieses Jahr berühmte Clownfrauen wie die Schweizerin Gardi Hutter oder die Brasilianerin Nora Rae präsentieren.

Weibliches Entertainment

Die "Ladies Night" will ab 23. September monatlich alle Formen des weiblichen Entertainments auf die Bühne bringen. Das Programm beinhaltet Kabarett, Schauspiel, Performance, Musical und Lesungen. Seit 2004 ist die "Ladies Night" fixer Bestandteil des Kosmos Theater- Programms. "Wir haben vor vier Jahren, festgestellt, dass wir als Künstlerinnen wahnsinnig einsam sind", sagte die Musical-Darstellerin Susanne Draxler. Deshalb habe man einen Stammtisch gegründet. "Daraus ist die "Ladies Night" entstanden, wir bieten Künstlerinnen eine Plattform, über die sie neues Publikum gewinnen können, sozusagen ein gegenseitiges Steigbügelhalten", erklärte Draxler.

Finanziell beklagt das Kosmos Theater Kürzungen von Projektförderungen, die mit der erhöhten Jahressubvention der Stadt Wien ein Nullsummenspiel ergeben hätten. Für die Zeit ab 2009 hofft man nun auf eine Vier-Jahres-Förderung.(APA)

  • Miki Malör steht mit "Tigerbalsam" ab 5. November wieder auf dem Spielplan des Kosmos. 
    foto: © miguel angel gaspar

    Miki Malör steht mit "Tigerbalsam" ab 5. November wieder auf dem Spielplan des Kosmos. 

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