Geheimdienst: Ratko Mladic wird sich nicht stellen

12. September 2008, 08:21
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Sonderstaatsanwalt: Bewaffnete Personen beschützen bosnisch-serbischen Ex-Militärchef - Großaufgebot sucht täglich nach Mladic

Belgrad - Der serbische Geheimdienst BIA bewertet aufgrund seiner jüngsten Informationen, dass der meist gesuchte Angeklagte des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Ratko Mladic, nicht beabsichtigt, sich zu stellen. Dies berichtete die Tageszeitung "Blic" unter Berufung auf den Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, der in Belgrad die Fahndung nach Mladic, dem Ex-Militärchef der bosnischen Serben, und Goran Hadzic, dem einstigen kroatisch-serbischen Politiker, leitet.

Sonderstaatsanwalt: Bewaffnete Personen beschützen bosnisch-serbischen Ex-Militärchef

Vukcevic zufolge würde Mladic weiterhin von einer "großen Zahl" von Personen umgeben sein. Diese Männer seien bereit, jederzeit Waffen einzusetzen. Die Festnahme Mladic' dürfte daher eine wesentlich schwierigere Aufgabe sein, als dies jene des ehemaligen Präsidenten der bosnisch-serbischen Republik, Radovan Karadzic, im Juli war, bewertet der Sonderstaatsanwalt.

Den BIA-Erkenntnissen nach hat Mladic weder seine Identität noch sein Aussehen verändert. Auch soll er sich nicht auf dieselbe Weise wie Karadzic verstecken. Karadzic lebte vor seiner Festnahme mindestens zwei Jahre lang in Belgrad, wo er sich unter dem Namen Dragan Dabic mit Alternativmedizin befasste und immer wieder auch öffentlich auftrat.

"Blic" zufolge würde der Militärnachrichtendienst, wo sich Berufskollegen des ehemalige jugoslawische Offiziers Mladic befinden, nicht an der Fahndung nach dem Haager Angeklagten beteiligt sein.

Der im Juli bestellte neue BIA-Chef Sasa Vukadinovic hat früheren Medienberichten zufolge den Tribunals-Chefankläger Serge Brammertz über den jüngsten Stand der Fahndung nach Mladic und Hadzic am Donnerstag bei einem Treffen unter vier Augen informiert.

Helfer bei der Polizei

In Belgrad geht man davon aus, das Mladic weiterhin Helfer nicht nur beim Militär, sondern auch bei der Polizei haben dürfte. Erst am Donnerstag wurde bekannt, dass der Finderabdruck des Haager Angeklagten aus einer Polizeistation, in welcher ihm vor neun Jahren ein Personalausweis ausgestellt worden war, verschwunden ist.

Großaufgebot sucht täglich nach Mladic

Ein Großaufgebot an Ermittlern ist in Serbien täglich auf der Suche nach den mutmaßlichen Kriegsverbrechern Ratko Mladic und Goran Hadzic. Bei der Fahndung nach dem früheren bosnisch-serbischen Militärchef und dem früheren Serbenführer in Kroatien, Goran Hadzic, seien jeden Tag 10.000 Ermittler im Einsatz, sagte der serbische Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, der Nachrichtenagentur AFP. "Die Arbeit der Sicherheitsdienste ist praktisch unsichtbar, aber wir arbeiten viel."

Nach bisherigen Erkenntnissen verstecke sich Mladic in Serbien, sagte Vukcevic. Dort habe er eine Zeit lang auch im Belgrader Bezirk Novi Beograd Zuflucht gefunden, in dem der Ex-Präsident der bosnischen Republika Srpska, Radovan Karadzic, bis zu seiner Verhaftung im Juli lebte. Mladic werde zwar wie Karadzic von einer "Anti-Den-Haag-Lobby" unterstützt, besitze bei seinem Leben im Untergrund aber ein anders aufgebautes Netz an Helfern. Er frage sich, wie Mladic und Hadzic ihre Flucht mit ihrem Gewissen vereinbarten, "wo sie doch sehen, was sie Serbien damit bei seinem Weg nach Europa antun", sagte Vukcevic.

Konsens

Die pro-europäische Regierung unter Präsident Boris Tadic habe jedoch seit ihrem Amtsantritt am 7. Juli die Bemühungen um eine Festnahme des früheren Militärchefs "noch einmal verstärkt". "Es gibt einen unübersehbaren Konsens aller Institutionen des Staats, die Angelegenheit zu Ende zu bringen", sagte Vukcevic. Von ein oder zwei Menschen könne "eine ganze Nation" nicht als Geisel genommen werden, fügte er in Anspielung auf Mladic und Hadzic hinzu.

Von den Ermittlungsfortschritten will sich am Mittwoch und am Donnerstag der Chefankläger des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Serge Brammertz, in Belgrad überzeugen. Umfassende Zusammenarbeit mit dem UNO-Gericht ist eine Voraussetzung für eine Annäherung an die Europäische Union. Die Ratifizierung des Stabilisierungs- und Annäherungsabkommens (SAA) durch das serbische Parlament am Dienstag hat die EU begrüßt. (APA)

 

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