Ivanauskas schätzt Österreich: "Vorbild"

9. September 2008, 14:31
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Ex-Stürmerstar erwartet ausgeglichenes Länderspiel - "Wir leben von unserem Kollektiv" - Danilevicius als Schlüsselspieler

Marijampole/Litauen - Der litauische Fußball hat in den vergangenen Wochen für positive Schlagzeilen gesorgt. Meister FBK Kaunas warf die Glasgow Rangers aus der Champions-League-Qualifikation, das Nationalteam siegte zum Auftakt der WM-Qualifikation in Rumänien sensationell 3:0. Doch das ist nur eine Momentaufnahme, versicherte der langjährige Österreich-Legionär Valdas Ivanauskas. Im Nachwuchsbereich hätte sein Heimatland Aufholbedarf.

"Die Ergebnisse sind derzeit nur gut, weil die Mannschaft schon vier, fünf Jahre zusammenspielt", erklärte Ivanauskas. Aus der Jugend komme wenig - im Gegensatz zur ÖFB-Elf, in der auch junge Spieler Leistungsträger sind. "Österreich ist uns da um Jahre voraus, dabei ist es auch ein kleines Land", meinte der 42-jährige Litauer. "Im Nachwuchs ist Österreich sogar ein Vorbild für uns."

"Oft Kleinigkeiten ausschlaggebend"

Dennoch erwartet "Ivan, der Schreckliche", der die Wiener Austria Anfang der 90er Jahre zu drei Meistertiteln in Serie geschossen hatte, am Mittwoch (20.30 Uhr MESZ/live ORF 1) in Marijampole ein ausgeglichenes Länderspiel. "Beide Teams sind mit Siegen in die Qualifikation gestartet, haben eine ähnliche Ausgangsposition und viel Selbstvertrauen. In so einem Spiel sind oft Kleinigkeiten ausschlaggebend", sagte Ivanauskas.

Standardsituationen etwa, wie sie der ÖFB-Elf zum Auftaktsieg gegen Frankreich (3:1) verholfen hatten. Die Litauer allerdings sind körperlich ebenso stark wie die Österreich und hatten schon in Rumänien beim Co-Favoriten der Gruppe 7 beeindruckt. "Die Mannschaft war sehr gut eingestellt, gut organisiert und hat sehr diszipliniert gespielt. Sie hat verdient gewonnen", meinte Ivanauskas. "Für Litauen war das ein großes Ereignis."

"In Litauen gibt es keinen Ivanschitz"

Größte Stärke der Litauer sei neben ihrer Defensive die mannschaftliche Geschlossenheit. "In Litauen gibt es keinen Ivanschitz", sagte Ivanauskas. "Wir leben von unserem Kollektiv." Stärkste Spieler sind Kapitän Tomas Danilevicius sowie die Flügelspieler Saulius Mikoliunas sowie Deividas Cesnauskis, die Ivanauskas bereits bei Heart of Midlothian in Schottland betreut hatte.

Danilevicius verdient sein Geld beim italienischen Zweitligisten AS Livorno, ist mit 14 Treffern in 49 Länderspielen auch Rekordtorschütze. "Er ist schnell und kann jederzeit ein Tor machen. Manchmal sieht man ihn nicht, aber plötzlich ist er da", charakterisierte Ivanauskas seinen Nachfolger als Litauens Stürmerstar. "Er kann ein Riesenspiel machen, aber auch nicht. Jedenfalls ist er ein echter Leader und spielt sehr mannschaftsdienlich."

"Da kommt nichts nach"

Ein Schnitt dürfte nach der WM-Qualifikation erfolgen, wenn zahlreiche arrivierte Spieler ihre Teamkarriere beenden werden. "Dann haben wir ein kleines Problem, denn unsere U19, U20 und U21 sind schlecht. Da kommt nichts nach, worauf wir aufbauen können", erklärte Ivanauskas. Grund dafür sei das lange Fehlen geeigneter Ausbildungsstätten und qualifizierter Trainer. Erst seit einigen Jahren betreibt der Verband in Kaunas eine Akademie, die die 60 größten Talente des Landes fördert.

Die Österreicher genieße in Litauen Respekt. "Sie haben an ihre EM-Leistungen angeknüpft, gegen Italien und Frankreich gut gespielt", sagte Ivanauskas. Doch auch das ÖFB-Team sei eines ohne ganz große Stars. "Zur Zeit gibt es keine Spieler wie Polster oder Herzog. Aber das können sie gut überdecken." Dem bisherigen Assistenten Herzog traue er es aber zu, in Zukunft auch Teamchef zu werden. "Er hat es sich verdient."

Ivanauskas selbst hatte in der Qualifikation für die EM 2004 bereits als Teamchef-Assistent gearbeitet, strebt derzeit trotz guter Kontakte aber keine Rückkehr zum Verband an. "Für mich kommt das zur Zeit nicht infrage, aber ich sage niemals nie", betonte der Ex-Internationale, der in 28 Länderspielen für Litauen acht Tore erzielt hatte. Derzeit lebt Ivanauskas in der Hauptstadt Vilnius (Wilna) und arbeitet an einer Rückkehr ins Trainergeschäft. Zuletzt hatte er den deutschen Zweitligisten Carl Zeiss Jena betreut.(APA)

 

 

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    Valdas Ivanauskas

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