Steigende Kosten lasten schwer auf Heineken

9. September 2008, 17:37
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Der Bierriese muss niedrigere Gewinne verdauen. Seit Sommer 2007 seien elf Brauerein gekauft worden, nun werde das Tempo bei CEE-Akquisitionen aber gedrosselt

Wien - Er sei im vergangenen Jahr fast nur noch im Flieger gesessen, sagt Heineken-CEE-Chef Nico Nusmeier. Sein Konzern habe seit dem Sommer 2007 elf Brauereien gekauft, beinahe monatlich eine neue. Das Tempo bei Akquisitionen in Zentral- und Osteuropa werde nun aber gedrosselt. Schließlich müsse alles Vorhandene gut abgesichert werden. Der Bierriese könne sich zudem von der Finanzmarktkrise nicht abkoppeln - auch wenn man dank starker Bonität nicht allzu stark betroffen sei.

Heineken hat den Bierabsatz in den CEE-Ländern im ersten Halbjahr um zwölf Prozent auf fast 25 Mio. Hektoliter ausgebaut. Der Umsatz stieg, der Gewinn blieb um zwölf Prozent unter dem Vorjahr. Die Umstände seien heuer eben deutlich schwieriger, seufzt Nusmeier.

Energie habe sich heuer in Österreich um bis zu 40 Prozent verteuert. Verpackung koste um 15 Prozent mehr. Für Hopfen müsse um gut 30 Prozent mehr bezahlt werden, für Gerste und Malz um bis zu 60 Prozent. Und Markus Liebl, Chef der zu Heineken gehörenden Brau Union Österreich, rechnet mit weiteren Verteuerungen. Ob das einmal mehr auf die Preise für Marken wie Gösser, Puntigamer, Zipfer, Reininghaus und Edelweiss durchschlage, das könne er noch nicht sagen. In Österreich hat sich das Bier heuer um im Schnitt fünf Prozent verteuert.

Unter dem Druck steigender Kosten setzen Heineken und Brau Union den Sparstift an. Höhere Produktivität, schlankere Verwaltung, Energiesparprogramme und effizientere Routenplanung sollen heuer sechs Mio. Euro bringen. Nicht geplant seien die Schließung von Brauereien und großflächiger Personalabbau, sagt Nusmeier.

Fußball-EM enttäuschte

Die Brau Union Österreich hat ihren Absatz heuer bis Juni um rund drei Prozent erhöht. Die Fußball-EM bereitete ihr keine helle Freude: Sie brachte dem Bierkonzern im Juni gerade einmal ein Plus von vier Prozent. "Eine Enttäuschung", so Liebl.

Was die politische Debatte um die Senkung der Mehrwertsteuer betrifft, will Liebl Bier mit von der Partie wissen. Bier sei ein Lebensmittel, schließlich gehe es durch den Magen. Eine halbierte Steuer würde die Kiste um drei Euro verbilligen. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)

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