Brau Union ächzt unter hohen Kosten

9. September 2008, 13:01
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Die "EURO 2008" enttäuschte den heimischen Marktführer - Im Juni blieb nur ein moderates Plus von vier Prozent über

Wien - Energie, Rohstoffe, Transport und Verpackungen sind für die Bierbrauer nochmals kostspieliger geworden. Hopfen, Gerste und Malz sind zweistellig teurer als vor einem Jahr. Der niederländische Brauriese Heineken hat bereits Ende August angekündigt, die Preise anheben zu müssen. Die zu Heineken gehörende Brau Union Österreich mit Marken wie Gösser, Zipfer, Schwechater, Puntigamer etc. hat in den ersten Monaten 2008 ihre Biere schon einmal um durchschnittlich 5 Prozent verteuert. Wieder hängen höhere Preise in der Luft.

Ob es nun 2008 nochmals zu einer Verteuerung in Österreich kommt, musste Brau-Union-Österreich-Chef Markus Liebl am Montag Abend bei einer Pressekonferenz in Wien offen lassen. "Ich kann diese Frage nicht beantworten". Das Unternehmen erwartetet nach der neuerlichen Kostenexplosion 2008 auch 2009 weitere Kostensteigerungen.

Nico Nusmeier, Chef von "Heineken CEE" mit Sitz in Wien, bemerkte, dass es - anders in Österreich - in anderen Ländern der Region durchaus üblich ist, mehrere Preiserhöhungen im Jahr durchzuführen.

Mehrwertsteuer-Debatte

In die politische Debatte um die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel will Liebl - der weiterhin eine Absenkung der Biersteuer auf halb so hohes deutsches oder tschechisches Niveau verlangt - auch das Bier einbezogen wissen. Bier, mit 20 Prozent Mehrwertsteuer belegt, ist nach Definition des Brauer-Chefs "klar ein Lebensmittel, wie alles, das durch den Magen geht". "Eine Halbierung würde uns wesentlich entlasten, keine Frage". Er ist auch überzeugt, dass der Handel Mehrwertsteuersenkungen weiter geben würde.

"Ein Gebot der Stunde", so Liebl, seien interne effizienzsteigernde Maßnahmen, um die gestiegenen Kosten zumindest teilweise aufzufangen. 2007 habe sein Haus die Kosten gesenkt, ebenso heuer, und auch 2009 habe man das vor. 6 Mio. Euro wird die Brau Union Österreich heuer einsparen, sagte Liebl. Beim Personalstand gehe es ausschließlich über natürliche Fluktuation. Im bisherigen Jahresverlauf bis August hat die Brau Union Österreich mit 2.120 Leuten 35 weniger. "Größere Sachen" sind nicht geplant, ergänzte Liebl. "Es sind auch keine Brauereischließungen in Österreich geplant". Eine Standortgarantie ist das aber nicht.

Preisanhebung vergangenes Frühjahr

Um etwas mehr als drei Prozent hat die Brau Union Österreich ihren Bierabsatz im ersten Halbjahr 2008 gesteigert. Der Umsatz ist stärker gewachsen, wegen der Preisanhebungen vom Frühjahr. Die Monate Juli und August seien in Österreich "wettermäßig sehr durchwachsen" gewesen. Das war für das Biergeschäft nicht günstig. Dafür sorgte der warme Septemberbeginn wieder für satte zweistellige Verkaufszuwächse.

Am Anfang des Jahres, bis Mai, lief es sehr gut. Die großen Erwartungen, die auch die Brauer in die Fußballeuropameisterschaft EURO 2008 gesetzt hatten, wurden aber enttäuscht. Begonnen hatte es für die Brau Union zum Beginn der EM mit einem Plus von 40 Prozent, das dann auf zweistellig zurückfiel, um im gesamten Monat Juni für die Brau Union insgesamt nur noch ein Plus von vier Prozent zu bescheren. Mit der seit zwei Jahren auch in der Brauerei Wieselburg abgefüllten Konzern-Premiumbiermarke "Heineken" gab es in Österreich im ersten Halbjahr ein Plus von 15 Prozent. (APA)

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