Ein Drittel der KMUs hat noch keinen Nachfolger

9. September 2008, 12:41
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Das größte Hinderniss bei einer Betriebsübergabe ist die Suche nach einem Nachfolger, geht aus einer Studie der Notariatskammer heraus

Wien - 22 Prozent der Chefs von Klein- und Mittelunternehmen (KMU) wollen sich in den nächsten fünf Jahren operativ zurückziehen. Das betrifft mehr als 54.000 KMU in Österreich, ergab eine Umfrage im Auftrag der österreichischen Notariatskammer. Das größte Hindernis bei der Betriebsübergabe ist die Suche nach einem Nachfolger, berichtete Notariatskammer-Präsident Klaus Woschnak am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Jeder dritte Unternehmer weiß noch nicht, wem er die operative Führung bzw. die Firmenanteile übergeben soll.

Für die Studie wurden 400 KMU telefonisch befragt. Im Vergleich zu 2006, als eine vergleichbare Umfrage durchgeführt wurde, habe sich das Problembewusstsein bezüglich Übergabe verstärkt, sagte Michael Umfahrer, Vorsitzender des Fachausschusses Handels- und Gesellschaftsrecht der Notariatskammer. So haben dieses Jahr 91 Prozent der Befragten schon für die Übergabe vorgesorgt. Vor zwei Jahren hatten noch 19 Prozent keinen Plan.

Familienmitglieder sind für 41 Prozent der Befragten die Wunschnachfolger. Die Weitergabe an bestehende Führungskräfte oder an externe Investoren kommt nur für jeweils jeden Zehnten in Frage. "Je größer das Unternehmen, desto stärker ist das Bestreben, dass es im Familienbesitz bleibt", so Umfahrer. Die frühzeitige Einbindung der Nachfolger und die schrittweise Übergabe sind für die Befragten der Schlüssel für eine erfolgreiche Übernahme. Auf Platz drei folgt die rechtliche Absicherung.

Rechtliche Vorkehrungen

Bei den rechtlichen Vorkehrungen, die KMU für die Übergabe getroffen haben, liegt der Gesellschaftsvertrag (40 Prozent) auf Platz eins. Von den GmbH vertrauen 79 und von den sonstigen Gesellschaftsformen 70 Prozent auf diese Maßnahme. Die Einzelunternehmer bauen mehrheitlich (39 Prozent) auf das Testament und die Vorsorgevollmacht (35 Prozent).

Die Hälfte der Umfrageteilnehmer findet eine Übergabe-Vorbereitungszeit von maximal fünf Jahren ausreichend. "Ideal wären zehn Jahre", riet Umfahrer. Wenn eine Übergabe gut vorbereitet ist, liege die Wahrscheinlichkeit, dass alles nach Plan läuft, bei rund 50 Prozent. Ohne professionelle Begleitung würden etwa 80 oder 90 Prozent der Übergaben schief gehen.

Die KMU sichern den Wirtschaftsstandort Österreich, meinte Woschnak und forderte die Reform des Pflichtteilrechts, also der Regelungen, die bestimmten Familienmitgliedern zwingend einen Teil des Erbes zusprechen. Geht es nach den Notaren, sollte der Personenkreis der Pflichterben eingeschränkt und die Höhe des Pflichtteilanspruchs reduziert werden. Auch Liquiditätsprobleme etwa bei vererbten Unternehmen sollten stärker berücksichtigt werden, um das Wohl- und Weiterbestehen des Unternehmens zu sichern. Überdies bekräftigte der Notariatskammer-Präsident die Forderung nach der Abschaffung des Gebührengesetzes. Dieses sei international ein Kuriosum und führe dazu, dass notwendige Verträge vermieden werden, um Gebühren zu sparen. (APA)

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