Nachgefragt: Daniel Gallner (LIF)

9. September 2008, 11:47
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Befürworten sie eine Zusammenlegung der drei Dachverbände ASKÖ, SPORTUNION, ASVÖ?

Die Sicherstellung eines ausreichenden Angebotes im Bereich Breitensport ist uns ein zentrales Anliegen. Die genannten Dachverbände leisten hier einen wertvollen Beitrag. Dennoch muss man sich anschauen, wo es Sinn macht, drei Verbände zu haben, die parallel agieren. Wo dies nicht sinnvoll ist, sollte man eine bessere Regelung finden.

Befürworten sie eine Konzentration der Fördermittel auf medaillenträchtige olympische Disziplinen?

Nein. Die Dabei ist es besonders wichtig, jenen Sportarten unter die Arme zu greifen, die jenseits der breiten öffentlichen Wahrnehmung, aber von vielen Österreichern und Österreicherinnen ausgeübt werden.

Ist es sinnvoll, die Sporterziehung auf Sieg und Leistungsoptimierung zuzuschneidern?

Hier muss man zwischen Breitensport und Spitzensport klar trennen. Im Bereich von Leistungszentren oder Nachwuchsakademien ist ergebnisorientiertes Arbeiten mit jungen Sportlerinnen und Sportlern wichtig. Jenseits dieser Einrichtungen sollte die wichtige pädagogische und soziale Funktion des Sports, die Bewegung unserer Kinder und damit ihre Gesundheit, sowie der einfache Spaß am Spiel im Vordergrund stehen.

Befürworten sie eine Neuverteilung der Fördermittel, da der Fußball derzeit zu viel aus den Lotto-Mitteln erhält?

Das ist zu prüfen. Öffentliche Fördermittel sollten aber jedenfalls ein Gegengewicht schaffen und jene Sportarten, die sich nicht privat finanzieren lassen, stärker unterstützen.

Befürworten sie ein Berufsbild Sportler und eine Lehrlingsausbildung Sport, ähnlich der in England?

Das Englische Modell ist interessant. Es ist aber nicht klar, dass es in Österreich eine optimale Lösung wäre.

Befürworten sie die tägliche Turnstunde? Oder zumindest die Vermehrung der schulischen Bewegungseinheiten, im berufsbildenden Zweig findet ja bis heute null Bewegungsunterricht statt?

Bewegungsunterricht als Kernstück des Lernplanes halten wir in allen Schulformen für wichtig. Eine tägliche Turnstunde ist wünschenswert, aber an vielen Schulen schwer zu realisieren. Mindestens drei Mal in der Woche sollten Kinder und Jugendliche aber unbedingt Sport treiben.

Befürworten sie eine stärkere Kontrolle des (autonomen) Sports durch die Politik?

Nein.

Ist die Anzahl der Medaillen und allgemein das Abschneiden bei Olympia ein aussagekräftiger Wert für die Leistungsfähigkeit des österreichischen Sports?

Nein.

In Österreich fehlen, vor allem in Wien, Sportstätten, überwiegend Hallen. Was würden sie dagegen unternehmen?

Natürlich ist es auch Aufgabe der öffentlichen Hand, Sportstätten zu errichten und zu betreiben. Der Ruf nach dem Staat kann aber nicht immer die Lösung sein. Wir wollen versuchen, es privaten Investoren und Vereinen einfacher zu machen, Sportstätten zu errichten und zu betreiben.

Warum wird der Sport nicht stärker propagiert - als Prävention, als Sparmaßnahme in der Krankenversicherung?

Hier muss ein Umdenken in Österreich erst stattfinden, das in einigen Ländern bereits eingesetzt hat. Sport muss einen höheren Stellenwert im täglichen Leben, also in der Schule oder auch im Beruf bekommen. Eine Möglichkeit wäre ArbeitgeberInnen zu belohnen, wenn sie ihren Mitarbeitern die Möglichkeit eröffnen Sport zu betreiben.

Befürworten sie die Kriminalisierung und strafrechtliche Verfolgung von Doping-Sündern und deren Helfern?

Ja. Doping ist gleichzeitig Drogenmissbrauch und Betrug. Es sollte auch so behandelt werden.

Sollen im ORF mehr Randsportarten berücksichtigt werden? Und weniger Fußball und Ski, oder mehr davon? Ist im ORF zu viel/zuwenig Sport im Programm?

Der ORF hält eine Reihe von Rechten an so genannten Randsportarten und verwertet sie zu wenig, beziehungsweise schiebt sie in Randprogramme und Sendezeiten ab. Die stärkere Einbeziehung von privaten Medien könnte diesen Sportarten eine größere Aufmerksamkeit sichern.

Wie bewerten sie die kommerzielle Verflechtung von Medien (Zeitungen, ORF) und Sportverbänden und -vereinen.

Das wird dann problematisch, wenn die Kontrollfunktion, die die Medien ausüben sollten, wegfällt. In Österreich passiert das leider zu oft. Eine größere Distanz zwischen Medien und FunktionärInnen wäre wünschenswert, ist aber nicht immer möglich.

Wie bewerten sie die kommerzielle Verflechtung von Glücksspielmonopol und Sport, siehe Stickler, tipp3-Liga?

Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden, wenn es funktionierende Kontrollinstanzen gibt. Wenn diese fehlen, dann schadet das der Glaubwürdigkeit des Sports.

Sollte Sportsponsoring steuerbefreit sein?

Sponsoring sollte nicht anders bewertet werden als jeder andere Werbeaufwand.

Umweltschonender Tourismus - wie stehen sie zum Ausbau der Gletscher, zum Mountainbiking, zum Tourenskilauf?

Es gibt in Österreich ausreichend attraktive Tourenskilauf- und Mountainbike-Strecken. Ich denke nicht, dass man dafür die Gletscher heranziehen muss.

Sollte das Sportwettengeschäft zur Finanzierung des Sports herangezogen werden?

Wie oben bereits gesagt ist das kein Problem, so lange es funktionierende Kontrollinstanzen gibt.

Wie kann man die Integration durch Sport (Park-Käfige, Vereine, Integrationsfiguren wie Jukic) fördern?

Es gibt eine Reihe von Beispielen, in Österreich und international, die die Wichtigkeit des Sports bei der Integration zeigen. Park-Käfige sind ein wichtiges Element, wenn sie zu einem Zusammentreffen von Jugendlichen mit unterschiedlichem Hintergrund führen. Integrationsfiguren wie Jukic, Vastic oder Korkmaz sind positive Vorbilder.

Wie stehen sie zu Beschränkungen für die Werbung, die sich beispielsweise bei Coca Cola über Sportler direkt an Kinder richtet?

Wir sehen es als Aufgabe der Eltern und der Bildungseinrichtungen, Kinder zu einem kritischen Umgang mit Werbung zu erziehen. Werbungen für unmittelbar schädliche Produkte wie Zigaretten sollten im Sportbereich verboten werden. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe, Mittwoch, 10. September 2008)

 

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