Bewusstsein, Kritik und Freude

9. September 2008, 11:35
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Daniel Gallner, Liberales Forum, will den Willen zur sportlichen Bewegung mit einem privaten und öffen­tlichen Maßnahmenmix stärken

Wien - Das Liberale Forum (LIF) denkt heftig über sich und die Liberalisierung der Welt nach. Die herkulische Arbeit ließ bisher wenig Freizeit und daher wenig Zeit über, um Sport zu treiben oder gar zu denken. Sportsprecher Daniel Gallner aber macht klar, dass es seiner Partei auch in diesem Bereich um die größtmögliche Freiheit bei notwendiger Sicherheit geht. Gallner: "Öffentliche Förderung muss ein Gegengewicht zu privaten Finanzmitteln bilden." Von der Berichterstattung über, der Erziehung zum bis zur Organisation des Sports steht das LIF auf dem Standpunkt, dass der Sportler mühelos Zugang zur Bewegung finden soll, die er braucht. Die Freiheit drückte sich sodann in der Vielfalt des Ehrgeizes aus. Vom Jahrhunderttalent bis zum bewegungsbedürftigen Zuckerkranken, alle sollten sich verstanden, gefördert und gefordert fühlen. Drei Dachverbände? Wenn es Sinn macht, ja, wenn es Unsinn macht, nein.

Konzentration der öffentlichen Mittel und Aufmerksamkeit auf Medaillen- und Weltmeistertitel-Anwärter? Gallner: "Nein, die Politik hat die Verantwortung den Breitensport zu unterstützen." Die kleine Hysterie der Sportpolitiker und Sportfunktionäre nach dem mittelmäßigen Abschneiden der ÖOC-Delegation bei den Sommerspielen in Peking regt Gallner gar nicht auf. Eine derartige Bilanz sei einfach kein Gradmesser für die Leistungsfähigkeit des österreichischen Sports. Wichtiger ist dem LIF, das Bewusststein, Bewegung sei wichtig, in der Sozialversicherung, den Krankenkassen und in den Familien zu heben.

Tägliche Turnstunde in der Schule? Wäre schön, ist aber unrealistisch. "Drei Bewegungseinheiten in der Woche sollten aber überall möglich und finanzierbar sein." Das LIF relativiert auch die Forderung, die nach Meinung Vieler überproportionale staatliche Förderung des Fußballverbandes ÖFB zu beenden. Das sei zu prüfen, so Gallner, schließlich unterstütze der ÖFB mit seinen Leistungszentren nicht nur die Selbstverwirklichung von Talenten, sondern auch die soziale und pädagogische Funktion des Sports und damit die Erziehung zu einer gesunden Lebensführung.

Die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz habe dazu einen erheblichen Beitrag geleistet. Die mangelnde Versorgung Österreichs und vor allem Wiens mit modernen Sportstätten habe nicht nur mit fehlender, sondern auch mit unzureichend genützter Infrastruktur zu tun. Auch hier sei freilich nicht allein der Staat (oder die Länder und Kommunen) als Errichter gefragt. Es sollte Privaten leichter gemacht werden, Sportstätten zu errichten.

Beispiel: Das offenbar entsorgte Projekt Frank Stronachs am Südrand von Wien ein Stadion für die Austria (und Rapid?) zu errichten, und ein Kaufhaus, eine multivalente Sportanlage und eventuell ein Casino dazuzustellen. Mittlerweile hat sich Stronach als Betriebsführer von der Austria verabschiedet, eine Abfahrt von der S1 versorgt das Agrargebiet Rothneusiedl mit Verkehr. Ein Lehrstück an steuergeldschonender Planung.

Nur gegen Doping will das LIF mit staatlichen Zwangsmaßnahmen vorgehen. Denn das sei schlicht Betrug, und Betrug sei eben ein strafrechtlicher Tatbestand. Kniffliger wird die Sache, wenn es um kommerzielle Interessen geht, die Sportler, Sportverbände und -vereine mit Medien verbinden und beide mit Firmen, die in den Sport investieren und in den Medien Inserate schalten. Gesetzliche Werbebeschränkungen findet Gallner prinzipiell problematisch, sie laufen dem LIF-Grundsatz vom "schlanken Staat" zuwider. Er räumt allerdings ein, dass in Österreich mit seiner Medienkonzentration und den diese unantastbar machenden politischen Interessen (Raiffeisen, Casinos Austria) Kontrolle und Schutz (vor allem der Kinder) vor problematischen Produkten (Fast Food, Soft Drinks, Salzgebäck) fast nicht möglich sei. Gallner: "Wir kennen das Problem, aber wir haben noch keine Lösung. Eltern und Schule müssen hier ein kritisches Bewusstsein schaffen." (Johann Skocek; DER STANDARD Printausgabe 10. September 2008)

 

  • Daniel Gallner

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