"Im Frachtraum ist noch Platz für drei Punkte"

9. September 2008, 10:58
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Österreichs Fußballteam spielt heute im über­schaubaren Stadion von Marijampole gegen Litauen. Beide Mannschaften starteten mit überraschenden Siegen

"Müssen aufpassen, arbeiten, arbeiten, arbeiten, clever sein, sehr unangenehm, sind robust, kampfstark, müssen aufpassen." Teamchef Karel Brückner ist nahe daran, den Kampf gegen die deutsche Sprache zu gewinnen. Wie weit weg die österreichischen Fußballer von einem Sieg gegen Litauen sind, wird der Mittwoch in Marijampole weisen. Das Stadion ist winzig (4500 Zuschauer), die Erwartungen sind groß, allerdings auch jene der Gastgeber. Wer zum Auftakt der WM-Quali in Rumänien 3:0 gewinnt, den stört Österreichs 3:1 gegen Frankreich kaum. Der Erste der Gruppe sieben trifft auf den Zweiten, vor vier Tagen noch hätte man darüber gelacht. Von Kaunas bis nach Innsbruck.

Die Mannschaft ist am Dienstag unbeschadet gelandet, Brückner verlegte das Abschlusstraining nach vorn und in eine andere Stadt (Kaunas statt Marijampole). Er neigt trotz aller Verlässlichkeit zur Spontaneität. Der Pilot ist übrigens spontan dreimal witzig gewesen, er sagte durch: "Der Start war glatt, macht Litauen platt." "Im Frachtraum ist noch Platz für drei Punkte." "Wir sind gerade gelandet, Paul Scharner hat die Maschine sicher aufgesetzt." Das sind möglicherweise jene Momente, in denen Brückner den Kampf mit der deutschen Sprache verlieren möchte. Roland Linz ist übrigens aufgrund einer Darmgrippe daheim geblieben, persönlich gesehen ist das Pech, fußballerisch betrachtet verschmerzbar. Der Legionär von Braga ist in der Hierarchie auf Platz drei zurückgefallen, Hauptstürmer ist Marc Janko, die erste Alternative Stefan Maierhofer. Sorgen bereiten allerdings die Muskelverhärtungen im rechten Oberschenkel des Andreas Ivanschitz. Der speziell bei Standardsituation nahezu unverzichtbare Kapitän geht davon aus, "dass die Entscheidung erst kurz vor dem Match fällt." Über den kollektiven Gemütszustand sagte Ivanschitz: "Wir sind gut drauf, wissen, dass die Aufgabe schwierig ist. Aber wir glauben fest daran, diese Prüfung zu bestehen. Nur dann hat der Sieg gegen Frankreich wirklich Sinn gemacht."

Litauen hat auch eine Art Brückner, er ist Portugiese und doppelt belastet. Der 45-jährige José Couceiro trainiert Meister FBK Kaunas und seit dem 14. August zusätzlich das Nationalteam. Kaunas schaltete in der Quali zur Champions League die Glasgow Rangers aus. Der Verband war derart begeistert, dass es zur Doppellösung kommen musste. Couceiro sagte nach dem 3:0 gegen Rumänien: "Die Spieler sollten das ganze Lob ernten. Ich habe nur ein bisschen geholfen."

Die meisten Litauer kicken im Ausland (Russland, Schottland, Italien), als Star gilt Marius Stankevicius von Sampdoria. Es hat bisher ein Match gegen Österreich gegeben, 1992 setzte es in Wien ein 0:4. Andreas Herzog wurde damals in der 61. Minute ausgetauscht. Heute sitzt Brückners Assistent 90 Minuten lang auf der Bank. An seinem 40. Geburtstag. Der nicht gerade originelle, aber nachvollziehbare Wunsch lautet: "Ein Sieg." (Christian Hackl aus Marijampole, DER STANDARD Printausgabe 10.09.2008)

 

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    Kapitän Andreas Ivanschitz ist aller Voraussicht nach einsatzbereit. Die Entscheidung fällt aber erst rund zwei Stunden vor Anpfiff.

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