Telefonbuch ohne Ablaufdatum

9. September 2008, 08:30
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Das gedruckte Telefonbuch wird in Zeiten von Internet, Handy und Co. nicht obsolet werden, ist Thomas Friess von Herold Business Data überzeugt

Thomas Friess denkt kurz nach: "Zuletzt habe ich in der Mödlinger Regionalausgabe die Nummer einer Exnachbarin nachgeschlagen", antwortet der Geschäftsführer von Herold Business Data auf die Standard -Frage, wann er zuletzt die Printausgabe eines Telefonbuchs genutzt habe. Und das, obwohl er das mit dem mobilen Browser auch auf seinem Smartphone hätte tun können.

Flotter

"In einem Druckwerk nachschlagen geht in vielen Fällen immer noch einfacher und schneller", begründet er, dass im Zeitalter von PC, Internet, Handy und Co. das klassische Telefonbuch oder die Gelben Seiten noch immer in ziegelstarken Papierausgaben gedruckt und an Österreichs Haushalte verteilt werden. Während tagsüber zu Bürozeiten verstärkt bei Herold.at nach einem Telefoneintrag gesucht werde, gebe es vor allem in der Freizeit noch mehr als genug Haushalte, die nicht "always on" im Internet seien.

6,5 Millionen Printprodukte, in denen Unternehmenskunden werben können, bringt der Adressenspezialist so Jahr für Jahr unter die Leute. "Das gedruckte Telefonbuch wird auch so schnell nicht aussterben. Es ist der Print-Online-Mix, der unsere Produkte für Werbekunden und Nutzer gleichermaßen interessant macht", sagt Friess. Ein allgemeiner Trend Richtung Online sei zwar nicht zu leugnen. Dies mache sich auch bei den Herold-Umsätzen bemerkbar. Doch auch wenn der Online-Bereich mit einem derzeitigen Umsatzanteil von 25 bis 30 Prozent stärker wachse als Print, "legen wir heuer bei beidem zu und steuern auf ein Rekordjahr zu".

Eintrag

Der Schwund der Festnetznutzer in Österreich schlage sich auch in der Zahl der Eintragungen im Telefonbuch nieder, gibt Friess zu. Viele Mobilfunkkunden verzichteten auf den kostenlosen Eintrag, aus irrationalen oder Datenschutzgründen. "Interessant finde ich dabei nur, dass viele ihre Mobilnummer nicht öffentlich bekanntgeben wollen, bei Online-Communities wie MySpace aber ihr Innerstes preisgeben", wundert sich Friess.

Die Konkurrenz aus dem Internet seitens anderer Werbeanbieter fürchtet der Herold-Geschäftsführer jedoch nicht. Schon gar nicht von Google, das seit einiger Zeit auch verstärkt lokale Märkte mit seinem Online-Werbeangebot beackert. "Unsere Firmendatenbank, die Gelben Seiten, werden von einer Redaktion mit 15 Leuten dauernd gecheckt, aktuell gehalten und an die lokalen Bedürfnisse angepasst", sagt Friess. Die Zahl von 89 Prozent aller Abfragen von Firmenadressen, die in einen Kaufabschluss mündeten, sprächen für sich.

Clicks

Vor kurzem hat Herold Business Data zudem Perfect Clicks gegründet. Die 100-Prozent-Tochter soll laut Friess mittelgroße heimische Unternehmen bei der Suchmaschinenoptimierung ihres Webauftritts unterstützen, ihnen also zu den besten Plätzen im Google-Suchergebnis verhelfen. "Im Internet gibt es noch viele Nischen für uns", ist Friess überzeugt. (Karin Tzschentke / DER STANDARD Printausgabe, 09.09.2008)

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    Trotz Online-Angebot verzichten viele Leute nicht auf das gedruckte Telefonbuch.

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