Grüne setzen auf "verjüngtes Team mit hohem Frauenanteil"

8. September 2008, 20:24
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Bundessprecher Alexander Van der Bellen stellt seine Neuen vor

Wien - Nach dem sonntägigen Gerangel am Bundeskongress um einen sicheren Listenplatz zeigte sich Grünen-Chef Alexander Van der Bellen tags darauf nachdenklich: "Rückblickend gesehen hätte man den Bundeskongress ein, zwei Wochen früher machen sollen", sinnierte er kurz bei der Präsentation der neuen grünen Kandidaten für den Nationalrat.

Sein Riege beschrieb Van der Bellen als ein " deutlich verjüngtes Team. Selbstverständlich mit einem hohen Frauenanteil". Darunter finden sich auch einige Quereinsteigerinnen: Die 39-jährige Judith Schwentner ist etwa Listenzweite in der Steiermark. Sie arbeitete bisher als Chefredakteurin der Straßenzeitung Megaphon in Graz und ist Leiterin des interkulturellen Cafés "Auschlössl".

Weniger Chancen auf einen Platz im Nationalrat hat Helene Jarmer. Die 37-Jährige kandidiert auf Rang sieben der Bundesliste. Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes, nannte als ihr Ziel eine "echte Chancengleichheit".

Das Rennen um Platz drei der Bundesliste konnte die gebürtige Türkin Alev Korun für sich entscheiden. Die 39-jährige Integrationsexpertin wird fix vom Wiener Gemeinderat in den Nationalrat wechseln. Ebenfalls aus der Wiener Landesorganisation kommt Daniela Musiol (auf Platz fünf der Landesliste). Die 37-jährige Juristin war seit 2001 Klubdirektorin des Rathausklubs. Die Kandidatin auf der Wiener Liste hat ihr Hauptziel bereits mit dem Slogan "Soziale Sicherheit für jeden" umrissen.

Zwei Plätze hinter Korun findet sich Christiane Brunner auf der Bundesliste, die außerdem an erster Stelle bei den Grünen im Burgenland gereiht ist. Die 31-Jährige ist Umweltsystemwissenschafterin und in Bürgerinitiativen aktiv - etwa jene gegen den Bau der Schnellstraße S7. Brunner hat am Sonntag mit ihrer Wahl auf Platz fünf für eine Überraschung gesorgt, weil sie Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny schlug, die dem nächsten Nationalrat nicht mehr angehören wird.

Ob dies als Misstrauensvotum gegen Sburny verstanden werden könnte? "Davon kann überhaupt keine Rede sein", ärgerte sich Van der Bellen über diesbezügliche Fragen. Denn, so argumentierte er, Sburny sei erst im Sommer deutlich zur Bundesgeschäftsführerin gewählt worden. (pm/DER STANDARD-Printausgabe, 9. September 2008)

 

  • Umweltexpertin Brunner erkämpfte Platz fünf.
    foto: eduar moravec

    Umweltexpertin Brunner erkämpfte Platz fünf.

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