Industrie lernt Energie und Kosten sparen

8. September 2008, 20:22
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Steigende Energiekosten lassen Unternehmer schwitzen - Mit geringem Aufwand ließen sich Verbrauch und Kosten senken

Dornbirn - Über hohe Energiekosten zu jammern ist eine Möglichkeit, die Kosten durch Maßnahmen zu senken, wäre eine andere. "Aber nur in wenigen Betrieben weiß man, wie man das angehen könnte", beschreibt Studienautor Peter Sattler fehlendes Bewusstsein und Know-how als größtes Manko in Unternehmen.

Im Auftrag der Landesregierung untersuchte Sattler für das Vorarlberger Energieinstitut produzierende Betriebe aus Industrie und Gewerbe auf ihre Energieeffizienz. Durchschnittlich könnten, so das Ergebnis der Studie, 22 Prozent des Strom- und 59 Prozent des Wärmeverbrauchs eingespart werden. Das wären jährlich 700 Gigawattstunden. Derzeit verbrauchen Industrie und Gewerbe 1750 Gigawattstunden, 18 Prozent des Vorarlberger Gesamtverbrauchs.

Bei Strom ließe sich bereits heute die Hälfte des Potenzials realisieren, bei Wärme wären gar 70 Prozent möglich. Um das Einsparpotenzial zu erreichen, müsse man nicht "auf bahnbrechende neue Erfindungen und Technologien warten", es reiche, "konsequent die bekannten Technologien und Maßnahmen umzusetzen", sagt Sattler.

Damit das Wissen über die besten verfügbaren Technologien und deren Einsatz den Weg von den Energieeffizienzexperten in die Werkhallen findet, soll die Ausbildung der betriebsinternen Energiebeauftragten forciert werden. Adi Gross, Energiekoordinator des Landes: "Dazu braucht es in den Betrieben aber Selbstkritik und Umdenken. Sie müssen bereit sein, sich Experten ins Haus holen." Derzeit nehmen jährlich 130 Betriebe Beratungen des Energieinstituts in Anspruch.

Nicht nur das Wissen über Technologien sei gering, sondern auch der Informationsstand über Fördermaßnahmen, sagt Gross. "Betriebe bekommen bis zu 30 Prozent der Investitionssumme, kaum einer weiß das." Diejenigen, die es wissen, klagten über bürokratische Hürden und damit verbundenen Zeitaufwand, ergänzt Sattler.

Michaela Wagner, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung, sieht die Studie als "gute Datenbasis", die Umsetzung müsse nun jeder Betrieb selbst angehen. Es sei aber unbestritten, dass ein "Quantensprung" notwendig wäre, um das Wachstum an Energieverbrauch von jährlich zwei Prozent zu stoppen.

Die Politik will die Umsetzung der österreichweit ersten Studie dieser Art unterstützen, verspricht Umwelt-Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP). Man werde Ausbildungsprogramme für Energiebeauftragte mitfinanzieren.

Dass sich Energieeffizienz nicht nur durch Kostensenkung lohnt, sondern auch durch Imagegewinn, zeigt die Sanierung einer alten Industriehalle durch die Haustechnikspezialisten drexel und weiss. Sie bekamen für ihren Passivhaus-betrieb den Nachhaltigkeits- und Architektur-Staatspreis 2006. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 9. September 2008)

 

  • Produzierende Betriebe müssen Energie nicht verschwenden. Das beweist die Wolfurter Firma drexel und weiss, die eine Industriebrache energieeffizient und in Passivhausqualität sanierte.
    dietmar stiplovsek

    Produzierende Betriebe müssen Energie nicht verschwenden. Das beweist die Wolfurter Firma drexel und weiss, die eine Industriebrache energieeffizient und in Passivhausqualität sanierte.

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