Eine unvollständige Chronik

8. September 2008, 20:14
2 Postings

Der Ski-Club Arlberg listet seine erfolgreichen Behindertensportler nicht - "Da geht es eben nicht ums große Geld"

Innsbruck - "Es stört mich schon, dass wir Sportler mit Behinderung in der neuen Broschüre des Ski-Clubs überhaupt nicht existieren", meint Martin Falch. Der 41-Jährige ist am Unterschenkel amputiert und Skisportler. In den Chroniken des Tiroler Ski-Clubs Arlberg kommen weder er noch andere behinderte Sportler des Skiortes vor. "Unsere Leistung wird einfach nicht geschätzt", sagt Falch, der bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City eine Bronze-Medaille und bei der Weltmeisterschaft 2004 in der Tiroler Wildschönau Silber im Slalom gewonnen hat. Auch der Name seines Onkels Helmut sei nie in einer Siegerchronik notiert gewesen.

Für Behindertensprecher Günther Porta (SP) dürfe es nicht passieren, dass erfolgreiche Sportler mit Behinderung in einer Chronik nicht aufscheinen. Der 52-jährige Politiker sitzt selbst seit 35 Jahren im Rollstuhl. Er selbst war Österreichischer Meister im Tischtennis und weiß, wie "vergessene Sportler" sich fühlen. "Sport ist für Menschen mit Behinderung Integration und macht das Leben wieder lebenswert." Vom Ski-Club Arlberg wünscht sich Porta eine neue Broschüre, "nicht ein Überkleben, eine Neugestaltung"- mit den Namen der erfolgreichen Behindertensportler.

Josef Chodakowsky, Präsident des Ski-Clubs Arlberg fühlt sich "nicht schuldig". Noch nie in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Ski-Clubs Arlberg seien die Behindertensportler in der Siegerchronik erwähnt worden. Auch 2001, zur 100-Jahr-Feier, sei die Chronik ohne Behindertensportler erschienen, und niemand habe sich beschwert. Als Direktor der Raiffeisen-Kasse St. Anton würde er Martin Falch aber sogar "sponsern". Die Paralympics 2007 in Tirol seien jedenfalls "zu spät" gewesen, die aktuelle Chronik sei bereits gedruckt. Es tue ihm aber leid, "behindert oder nichtbehindert".

Sportler Martin Falch fehlt dem Behindertensport der "Stellenwert": "Da geht es eben nicht ums große Geld." (Verena Langegger/DER STANDARD, Printausgabe, 9. September 2008)

 

Share if you care.