Autistische Schüler: Kein Geld für Assistenz

8. September 2008, 19:46
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16 autistische Kinder in Wien haben in ihrer Schule keine Betreuung - Dabei könnte das Problem schnell gelöst sein

Wien/Linz - Die gemeinderätliche Behindertenkommission in Wien schlägt sich kommende Woche mit einem Kompetenzen-Problem herum. 16 autistische Kinder stehen eine Woche nach Schulbeginn ohne Assistenz da, die ihnen die Integration in der Schulklasse und das Mitkommen im Unterricht erleichtern soll.

Die Lösung könnte sowohl Sozialstadträtin Sonja Wehsely als auch Schulstadträtin Grete Laska (beide SPÖ) bieten: Indem sie die Finanzierung übernehmen. Diese Entscheidung steht jedoch noch aus. Der Dachverband für Autistenhilfe, der die Betreuung der Kinder organisiert, hat kein Geld, die Assistenten zu bezahlen. Es sind angehende Fachassistenten, Psychologen und Therapeuten, die die Betreuung im Rahmen ihrer Ausbildung übernehmen. Ab der zehnten Gratisstunde bekamen sie vom Verein bisher sieben Euro pro Stunde. Vergangenes Jahr betreute der Dachverband 62 Kinder. 140 Autisten in Wien brauchen Betreuung in der Schule.

Die Assistenzstunden kosteten den Verein vergangenes Schuljahr 125.000 Euro, sagt Ruth Renee Kurz vom Dachverband. Bisher habe man sich immer mit Spenden über Wasser gehalten. Von Licht ins Dunkel kamen beispielsweise 20.000 Euro, es spendeten Firmen oder die Eltern veranstalteten Charity-Events. Der Fonds Soziales Wien (FSW) unterstützt die Schulassistenz mit 19.000 Euro. "Bis die Zuständigkeit geklärt ist, wird das auch weiterhin erfolgen", sagt FSW-Sprecher Florian Winkler.

Vorbild Oberösterreich

Ruth Renee Kurz schaut neidvoll nach Oberösterreich, wo es schon seit 17 Jahren vom Land geförderte Schulassistenz für körperlich und geistig behinderte Kinder gibt. Laut Landesschulrat Oberösterreich funktioniert das Modell auch gut. In Oberösterreich stellt die meisten Betreuer die Diakonie bereit. Der Unterschied zu Sonderschullehrern oder Stützlehrern ist, dass die Schulassistenten keine besondere Ausbildung brauchen, sagt Eva Rumplmayr von der Diakonie. "Der Vorteil ist, dass die Kinder in ihrem Heimatort integriert werden und nicht in Sonderschulen geführt werden müssen", sagt sie.

Wiener Landesschulinspektor Gerhard Tuschel ist zuversichtlich, dass es in der Behindertenkommission kommende Woche zu einer Entscheidung kommen wird. Die Schulassistenz sei notwendig, sagt Tuschel. "Es geht nicht, dass die sich die Eltern Jahr für Jahr Sorgen um die Betreuung machen müssen. Eine Grundversorgung muss sein", sagt Tuschel. VP-Behindertensprecherin Karin Praniess-Kastner wünscht sich das OÖ-Modell auch in Wien. (Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD, Printausgabe, 9. September 2008)

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