Demokratie mit Unbehagen

8. September 2008, 19:15
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    foto: apa/epa/chris young

Wie soll im Staat über Gerechtigkeit entschieden werden? "Handeln als politische Kategorie" bei Hannah Arendt und John Rawls

Politisches Desinteresse, übermächtige Lobbies, die Tricks der Polit-PR: Diese Nebeneffekte der modernen repräsentativen Demokratie sind nach wie vor Grund genug über die fundamentalen Voraussetzungen für politisches Handeln nachzudenken. In den vergangenen 50 Jahren haben das unter anderen die Sozialphilosophin Hannah Arendt (1906-1975) und ihr Fachkollege John Rawls (1921-2002) getan. Peter Oberhofer hat seine Diplomarbeit über das "Handeln als politische Kategorie" diesen beiden Größen der politischen Philosophie gewidmet. Sein emotionaler Ausgangspunkt war das "Unbehagen an der normalen politischen Praxis", und wer sich noch die Mühe macht, die politische Berichterstattung zu verfolgen, kann ihn gut verstehen.

Die Polis revisited

Verlockend ist da das Angebot von Hannah Arendt fern von alledem auf das Wesentliche zurückzugehen, zur beschaulichen antiken Polis mit ihrer Agora und ihren freien Bürgern (die Bürgerinnen waren damals politisch knapp oberhalb der Haustiere angesiedelt). In Arendts Werk "Vita Activa" (1960) steht der Begriff Politik gleichbedeutend mit dem des Handelns und im Gegensatz zu denen des Arbeitens und Herstellens. Während die beiden letzteren die Erhaltung des eigenen Lebens zum Zweck haben, ist das Handeln das gemeinsame Entscheiden der Menschen über die öffentlichen Angelegenheiten. Erstrebt wird dabei aber nicht die Eigeninteressen gegenüber den anderen durchzusetzen, sondern sich ruhmreich um den Staat verdient zu machen.

Für den liberalen Theoretiker Rawls sind diese heeren Werte nur eingeschränkt in die Moderne transferierbar. Politik ist nicht Selbstzweck oder schierer Ausdruck des Menschseins per se, wie es Arendt in der Polis vermutet, sondern das Ziel ist die Errichtung einer gerechten Gesellschaft. Auch das rationale Eigeninteresse hat für Rawls seine Berechtigung als ureigenster Antrieb zur politischen Betätigung. Aber neben die Rationalität muss die Vernünftigkeit des Handelns treten, die die Eigeninteressen hintan hält, wo das Prinzip der Gerechtigkeit bedroht ist.

Der Charme der Vernunft

Damit das geschieht, muss es zur öffentlichen Diskussion der BürgerInnen kommen, und die Pluralität der Weltanschauungen - hier wieder analog zu Arendt - aufeinander treffen. Um die Ausführungen anschaulicher zu machen, bringt Oberhofer das Beispiel der Abtreibungsfrage, die auch Rawls zur Illustration verwendet hat. Am Ende der Diskussion steht die Mehrheitsentscheidung, aber unter Idealbedingungen kann diese als vernünftig angesehen werden, zumindest vorläufig.

Ausführlich und gut verständlich werden die politischen Philosophien von Arendt und Rawls von Oberhofer erklärt, was sich auch in der Länge von 150 Seiten Fließtext auswirkt. Wünschenswert wären nichtsdestoweniger stärkere Bezüge zum politischen Alltag gewesen, die sich auch durch mehrere Kapitel ziehen, um dem Text mehr Fleisch und Blut zu geben. Schließlich vermag ein konkretes Bild oft mehr zu vermitteln als die präziseste Beschreibung einer Idee. Das Verdienst der Arbeit ist es letztlich durch die Idealtheorien indirekt auf den Zustand der politischen Kultur heute hinzuweisen und an die Verantwortung jedes einzelnen dafür zu erinnern.

Die Diplomarbeit „Handeln als politische Kategorie" ist im Volltext nachzulesen.

Der Autor
Peter Oberhofer (Jg. 1978, Mag.phil.fac.theol.) hat Philosophie in Innsbruck, Paris und Wien studiert. Neben seiner beruflichen Tätigkeit im Studienservicecenter Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien arbeitet er derzeit an einer Dissertation zur "Logik der Philosophie" Eric Weils.

Der Rezensent
Thomas Müller ist Mitarbeiter beim Verein textfeld.


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13 Postings
Flavio Maffia
00

noch ne kleine gutenachtgeschichte ;-)

Wenn ihr weint, wenn ihr schlaft, wisst ihr wer euch wieder aufbaut? Ihr die ihr euch treiben lasst?
Es ist kein Wunder und es ist nicht Gott, sondern der Wille einer einzigen Frau.
Wäre sie nicht könnte kein Leben auf Erden existieren.
Wir sind alleine ihr schon den ewigen Frieden schuldig.
Alleine schon gott.
versteht ihr?
Manchmal frage ich mich, wie viel wissen hat bei euch die zeit überlebt...?

MarioV
00
Waffenschein für Wahlrecht

[...<]Politisches Desinteresse, übermächtige Lobbies, die Tricks der Polit-PR[>...]
Dem kann abgeholfen werden, und zwar mit einem Waffenschein für das Wahlrecht.
Wer wählen will muss zuerst einen Grundkurs in politischer Bildung machen.
Und bei JEDER Wahl den Nachweis erbringen, sich über das Programm ALLER wahlwerbenden Gruppen informiert zu haben.
Mittels einer elektronischen Karte wäre es ja kein Problem die Teilnahme an zumindest einer Info-Veranstaltung zu belegen.
Mit der BürgerCard könnte man das sogar Online machen.
Desweiteren muss es eine Demokratie-Offensive geben. Die %-Hürden müssen gesenkt werden, damit auch Kleinparteien eine Chance haben.
Und das Volk muss ein Veto-Recht gegen Parlamentsbeschlüsse erhalten.

Dr. Drago
01

so ein schmarrn...

freies, gleiches und geheimes wahlrecht für ALLE (ab 18;-D)!

MarioV
00
10.9.2008, 08:05

Hat Hitler an die Macht gebracht, müsste der Satz weitergehen.

Bertel Mann
00
28.9.2008, 16:35
Weil die "Eliten" ihn gefördert haben, müsste man ergänzen.

Dr. Drago
00
10.9.2008, 17:05

tja, alles hat seinen preis...

a z
01

Und man wählt dann ganz mündig und bewusst zw. Neo-Liberaler Partei Nr. 1, 2, 3, 4………..Deren Ziele weiterhin durch WTO und EU vorgegeben sind und massiv von den Lobbyisten forciert werden. Die Sinnhaftigkeit fehlt nicht in der Politik, sondern in unserer Gesellschaft. Gewinn über alles, von dem so wie so nur wenige wirklich was abbekommen, zu lasten von jeglicher Vernunft. So wird das m.E. auch mit politischer Bildung nichts.

Flavio Maffia
20

so viel zu schreiben...;-)

wer auf der suche nach dem Bösen ist, wird es niemals finden.
Denn was ihr nicht versteht ist, dass wir alle kinder sind.
Manche mögen sich vor den Erwachsenen fürchten, manche sich vor den anderen Kindern.
Das was ihr seht, das ist das was wir denken, dass es erwartet wird.
Das was ihr seht, ist das produkt einer Blockade.
Die Engel haben ihr herz eingefroren, manche blockieren ihre emotionen, manche tragen Masken um abzuschrecken, damit niemand ihre Angst sieht.
Ihr die ihr beweise braucht, ich kann sie euch liefern...

Flavio Maffia
30

Wer nicht mit dem Herzen sieht, wird die wahrheit niemals erkennen....

das äussere von jedem widerspiegelt nicht sein inneres.
erst wenn wir fähig sind uns selbst und damit allen zu verzeihen, kann gott uns verzeihen.

Ich mag vielleicht keine grosse hoffnung haben, ich mag vielleicht auch wie viele andere den fehler gemacht haben und vermutlich machen, statt zu glauben, wissen und kontrollieren zu wollen.

Denn das einzige was ich nicht weiss, und vielleicht niemals wissen werde, ist der Punkt, wie können wir alle verhindern, nicht an dem zu scheitern, an dem Jesus schon scheiterte...?
was heute hier und jetzt geschieht, wird ansonsten überall geschehen, solange wir das nicht einsehen...
Wie viel leid wird dafür wohl nötig sein

Ribak
03
nicht

das ich ihnen zu nahe treten möchte, aber ein leben ohne religion ist glaube ich schon einmal ein bedeutender schritt in ein offeneres und glücklicheres leben (auch gesellschaftlich gesehen).

das ist selbstverständlich meine subjektive meinung, aber eine tendenz zugunsten des atheismus/agnostizismus ist in den letzten jahren erkennbar.

Flavio Maffia
10

oh ja, wenn das so weitergehen würde, gäbe ich Ihnen recht ,-)
Nein, das Problem ist, auf kurz oder lang, kann man sich dieser wahrheit nicht verschliessen.
wir sind jetzt bei kurz angekommen.

Wir haben ein Problem, und das nennt sich verantwortung&Glück.
Das Problem ist, wie kann man ja leider sieht, eifern wir einem falschem Spass nach, etwas das auf leid aufgebaut ist.
Wir müssen fähig sein, das leid zu minimieren und den "Spass", das Glück zu maximieren.
Das aber erfordert die akzeptanz, dass das böse nicht existiert, dass jeder die gleiche verantwortung trägt und dass jeder gleichberechtigt ist...
Das ist der erzwungene Weg, theologisch gesehen, doch ich denke auch ein Atheist würde mir da nicht widersprechen, oder?

Flavio Maffia
21

Liebe Menschen da draussen, ich weiss, ihr glaubt ihr seit manchmal hart im nehmen...
Manche mag es berühren, manche mögen es verstehen....
Ich sage euch, wenn ihr könnt, tut nichts schlechtes, wenn ihr könnt, tut nur gutes, erwartet aber nichts gutes....
Denn der glaube in das gute in uns allen, ist der glaube an Gott...
Würde die welt zu den jetzigen bedinungen, zu den jetzigen forderungen gerettet werden, würde sie sich in eine Hölle verwandeln.
Das hatten wir schonmal.
Habt keine Angst wenn ihr euch fragt, was dieser Spinner wieder mal schreibt, wieder mal tut ;-)
Von euch erwarte ich nichts, all das ist nicht eure Schuld.
Ich hoffe gott wird uns erhören, wir haben von ihm das unmögliche gefordert und so tut er es von euch.

Flavio Maffia
11

Leider haben sich die realität und das was man wohl als Oberbegriff Politik nennt, aneinander vorbei entwickelt.
die Gerechtigkeit entscheidet über weitaus mehr.
Denn die realität ist doch, wenn ein "Westler" über die neu sanierte Altstadt läuft, freut er sich.
Doch wenn jemand kommt und sagt, ach schau, daran ist meine Familie zerbrochen, dann sind das 2 Welten.
Manche sind Monster der ignoranz, manche der hoffnungslosigkeit, und andere weil es ein Zwang darstellt.
Alle sind wir Menschen, manche versuchen diese "negative" zu verdrängen, manche versuchen es hoffnungslos zu ändern.
Der einzige Unterschied zur Hölle ist, dass wir wissen, dass wir hilfe brauchen.
Diesmal werden wir Hilfe bekommen, denn ich habe NICHTS vergessen...


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