Viele kommen, viele gehen

8. September 2008, 18:58
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Polen unternimmt wenig in Sachen Integrationspolitik - Ausländerzahlen werden nur unregelmäßig erfasst

Warschau - Eine Integrations- oder Ausländerpolitik, wie sie in Westeuropa bekannt ist, gibt es in Polen nicht. Die meisten Ausländer arbeiten ein paar Monate auf dem Bau oder in der Landwirtschaft, verdienen - legal oder illegal - möglichst viel Geld und fahren zurück in die Ukraine, nach Weißrussland oder Russland. Selbst die meisten der rund 4000 Asylwerber betrachten Polen nur als Transitland. So hat ein Großteil der bereits anerkannten Flüchtlinge aus Tschetschenien Polen längst wieder verlassen und lebt in Frankreich, Deutschland oder Skandinavien.

Keine Sprachkurse

Sprachkurse oder andere Eingliederungshilfen für Ausländer oder Flüchtlinge gibt es daher nur auf dem Papier. Dies gilt sogar für die rund 1500 "Repatrianten", die Jahr für Jahr aus Kasachstan oder Sibirien nach Polen zurückkommen und sofort die polnische Staatsbürgerschaft erhalten. Wenn nicht Gemeinden, karitative Organisationen oder freundliche Nachbarn helfen, stehen die Rückkehrer vor dem Nichts.

Das Statistische Hauptamt erfasst nicht einmal regelmäßig die Zahl der in Polen lebenden Ausländer. Die letzten Daten stammen aus dem Jahr 2002. Legal wohnten damals 22.710 Ausländer in Polen. Illegal dürfte es schon damals weit mehr als eine Million gewesen sein. 2007, vor der Schengen-Erweiterung, wurde zum letzten Mal die Zahl der nach Polen einreisenden Ausländer exakt erfasst: knapp 65 Millionen. Weit mehr als die Hälfte davon stellten Deutsche, danach folgten die Tschechen und an dritter Stelle die Ukrainer. (gl/DER STANDARD, Printausgabe, 9. September 2008)

 

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