Franz Fiedler als Minister und oberster Weiser im Gespräch

8. September 2008, 18:26
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Ex-Rechnungshof-Präsident kann sich Aufsicht über "Bürgervertrag" vorstellen und will einmal die Wahl abwarten

Wien - Franz Fiedler ist derzeit ein vielumworbener Mann. Jörg Haider hätte den früheren Rechnungshof-Präsidenten gerne als BZÖ-Minister in der nächsten Regierung. ÖVP-Chef Wilhelm Molterer hat dem 64-jährigen Wiener am Montag den Vorsitz im Weisenrat zur Einhaltung des von der ÖVP erfundenen "Bürgervertrages" vorgeschlagen.

Zumindest Zweiteres kann sich der ausgewiesene Verfassungsexperte Fiedler vorstellen, wie er im Gespräch mit dem Standard betont. "Das ist eine Möglichkeit, die ich ins Auge fasse. Das halte ich für realistisch."

Die Zusage zum Weisenrat überrascht nicht: Schließlich war Fiedler vor seiner Tätigkeit im Rechnungshof jahrelang im ÖVP-Parlamentsklub beschäftigt. Noch heute ist er Parteimitglied der ÖVP.

Eine gute Gesprächsbasis wurde Fiedler aber auch immer zu Jörg Haider nachgesagt. Ob er für die Orangen gegebenenfalls als Minister zur Verfügung stehen würde, wie Haider das öffentlich gesagt hatte, will Fiedler nicht verraten. "Ich möchte einmal die Wahl abwarten." Bisher sei ihm jedenfalls weder von Haider noch von sonst jemandem ein Amt angetragen worden, sagt Fiedler. Und: "Wenn mich jemand fragen sollte, dann hat derjenige das größte Recht, zuerst eine Antwort zu bekommen."

Weiter möchte Fiedler die aktuelle Debatte gar nicht medial kommentieren. "Ich sehe das alles sehr gelassen", sagt er nur. Ob es ihn nicht ehre, von verschiedenen Seiten so heftig umworben zu werden? "Um eitel zu sein, bin ich schon zu alt", behauptet Fiedler, fügt allerdings auch hinzu, dass es "zweifellos Unangenehmeres" gebe. Und auf die Frage, ob er sich in der Politpension nicht ausgelastet fühle, fällt dem früheren Rechnungshof-Chef nur eines ein: "Meine Frau sagt anderes." (go/DER STANDARD-Printausgabe, 9. September 2008)

 

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    Franz Fiedler wird von ÖVP und BZÖ heftig umworben.

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