Ägypter wollen Telekom Austria kaufen

9. September 2008, 13:18
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Orascom Telecom, im Eigentum der reichsten ägyptischen Familie Sawiris, zeigt "höchstes Interesse", die ÖIAG denkt an Möglichkeit des Aktientausches

Wien  - Die ägyptische Orascom Telecom, im Eigentum der reichsten ägyptischen Familie Sawiris, will die Telekom Austria (TA) haben. Das berichtet der "Kurier" in seiner Ausgabe von Dienstag. Aus der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG, die 28 Prozent an der Telekom Austria hält, war zunächst keine Stellungnahme erhältlich. Prinzipiell sei man aber "an vernünftigen Partnerschaften interessiert", zitierte aber der "Kurier" ÖIAG-Kreise.

Der Zeitung zufolge soll die ÖIAG bereits Gespräche mit dem ägyptischen Telekom-Betreiber geführt haben. Gespräche mit Telekom-Boss Boris Nemsic soll es ebenso gegeben haben wie informelle Kontakte zur Regierung, heißt es im Bericht. Offizielle Bestätigungen gab es vorerst nicht.

Schlaff wirkt als Kontaktmann

Konkret solle Orascom über das Investment-Vehikel "Weather Investments" mit der Telekom Austria zusammen gehen. Denkbar ist laut "Kurier"-Informationen auch, dass sich die ÖIAG über einen Aktientausch mit zirka 12 Prozent an einem gemeinsamen Orascom/TA-Konzern beteiligt. Der Kontakt soll über den Unternehmer Martin Schlaff zustande gekommen sein. "Kein Kommentar", hieß es dazu auch von der Telekom Austria.

Der in Afrika und im Mittelmeerraum tätige Telekom-Konzern Orascom sucht in Europa weitere Expansions-Möglichkeiten. Derzeit sind die Ägypter mit dem Mobilfunkbetreiber "Wind" auch in Italien und Griechenland tätig.

Die Telekom-Sparte des ägyptischen Konzerns wird mit rund 15 Mrd. Euro bewertet. Die Telekom Austria ist an der Börse derzeit rund 7 Milliarden Euro wert. Sawiris würde, laut "Kurier", auch das Festnetz übernehmen.

Derzeit betreut Orascom über die diversen Betreiber in Afrika, im Nahen Osten und in Europa etwa 77 Millionen Kunden. Die Telekom kommt auf 17 Millionen Kunden.

Für den Plan würde die ÖIAG einen Beschluss der Regierung benötigen, da der frühere Privatisierungsauftrag 2006 mit der neuen Legislaturperiode erlosch. Bis zur Nationalratswahl ist ein solcher Beschluss undenkbar. Dem Blatt zufolge wollte die ÖIAG bis dahin die Gespräche mit den Ägyptern unter der Decke halten.

Russischer Interessent

Nachdem Investmentbanken die Telekom Austria als mögliches Übernahmeziel bezeichnet haben, haben sich mehrere Interessenten bei der ÖIAG gemeldet, darunter auch der russische Telekom-Konzern Sistema. Dieser wollte sich auch an der Deutschen Telekom beteiligen. Er interessiert sich aber nur für A1, nicht für das Festnetz.

Ein Aktientausch in ein größeres Gebilde war bei der Telekom Austria schon zweimal angedacht: Zuerst bei der Swisscom, dann mit der griechischen OTE. Bei den Schweizern machte der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser einen Rückzieher, weil die politische Debatte um den "Ausverkauf Österreichs" losging. Bei den Griechen wollte die Regierung in Athen nicht.

Orascom gilt im Telekom-Sektor als überaus aggressiv. So bauten die Ägypter im Irak das Mobilfunk-Netz auf. Darüber hinaus ist Orascom in Nordafrika und Südamerika. "Ich will weltweit unter die Top 5 kommen", wurde Firmenchef Naguib Sawiris einmal zitiert. Sawiris Vermögen wird auf 13 Mrd. Dollar (9,15 Mrd. Euro) geschätzt.

Analyst skeptisch

Für "sehr sehr unwahrscheinlich" hält der Chefanalyst von Cheuvreux, Alfred Reisenberger, einen Einstieg der ägyptischen Orascom Telecom bei der Telekom Austria. "Die Gerüchte klingen absurd." Die Spekulationen um verschiedene Unternehmen, die bei der Telekom einsteigen möchten, könnten gestreut worden sein, so Reisenberger. Dadurch könnte der heimische Mobilfunk- und Festnetzanbieter einen eventuellen Jobabbau plausibler machen.

Eine Beteiligung der Orascom würde "die Politik" wohl nicht zulassen, sagte der Cheuvreux-Experte. "Wenn ein ausländisches Unternehmen bei uns Arbeitsplätze abbauen möchte, wäre Feuer am Dach. Da würden die Leute auf die Straße gehen." Orascom-Chef Nagub Sawiris ist dafür bekannt, kein Freund von Staatsbeteiligungen an seinen Unternehmen zu sein.

Ein Mitarbeiterabbau bei der Telekom Austria stehe in jedem Fall an und werde Reisenberger zufolge die nächste Regierung begleiten. "Ernst wird es erst nach der Wahl", so der Analyst. Vor 2009 dürften wahrscheinlich keine weiteren Schritte gesetzt werden. Die Schrauben habe die Telekom jedoch bereits angezogen. (APA)

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