Burgfrieden im Streit um indische Billigautofabrik

8. September 2008, 17:43
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Tata überlegt trotzdem Verlegung des Nano-Werks

Neu-Delhi - Vor kurzem war Singur noch ein unbekanntes Nest im bettelarmen indischen Bundesstaat West-Bengalen. Doch inzwischen steht der Ort für einen Streit, der dem Ruf des gesamt Wirtschaftsstandorts Indien schaden könnte. Eigentlich sollte etwa eine Stunde von Kalkutta entfernt ab Oktober das 1700-Euro-Auto Nano vom Band laufen. So plante es Vorzeigeunternehmer Ratan Tata. Doch der erbitterte Streit um das Fabrikgelände gefährdet das Projekt.

Mehrtägige Krisengespräche brachten zwar am Montag einen Burgfrieden, aber noch keinen Durchbruch. Nach zwei Wochen beendete Oppositionsführerin Mamata Banerjee zwar die Belagerung des Geländes durch Bauern und ihre Anhänger. Zuvor hatte sich die Landesregierung dem Druck gebeugt und die Rückgabe von Land an Farmer versprochen. Aber Tata zeigte sich "unglücklich" mit dem Deal. Die Arbeit an der Fabrik bleibe daher weiter eingestellt.

Die Arbeiten am Werk wurden wie berichtet gestoppt, nachdem Angestellte bedroht und verprügelt worden waren. Arbeiter trauten sich selbst unter Polizeischutz nicht mehr zur Arbeit.

Tata, der mancherorts wie ein Volksheld gefeiert wird, dürfte bald der Geduldsfaden reißen. Der Unternehmer hat gedroht, das Werk, in das er 240 Millionen Euro investiert hat, zu verlegen, wenn es keine Lösung gibt. Andere Bundesstaaten stehen angeblich Schlange.

Laut Kompromiss will die von pragmatischen Kommunisten geführte Landesregierung zwar 162 Hektar Land an die Bauern zurückgeben - rund 121 Hektar davon aber auf dem insgesamt 425 Hektar großen Gelände der Fabrik. Dies sei laut Tata nicht möglich.

Banerjee sprach dagegen von einem "großen Sieg", vor den Werkstoren jubelten ihre Anhänger: "Lang lebe die Revolution!" (Christine Möllhoff, Neu-Delhi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2008)

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