Wachstumskaiser: Indien und China lösen USA ab

8. September 2008, 17:24
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Strategieberater fordert eine engere Verknüpfung von Unternehmensstrategie und Wertsteigerung

Wien - Unternehmen aus den Wachstumsregionen Asien, Südamerika und Osteuropa haben in den vergangenen Jahren weltweit einen Siegeszug angetreten. Der Autohersteller Mahindra (Indien), der Elektromotorenhersteller WEG (Brasilien) oder Sever Stal (Russland) sind Beispiele für Unternehmen, die in Rankings derzeit weit vorne stehen.

Vor rund zehn Jahren war das noch anders, wie die Studie "Value Creators" der Boston Consulting Group (BCG) zeigt. Unter den Top-Ten jener börsennotierten Unternehmen, die weltweit die höchste Wertschöpfung schaffen, befanden sich 1998/1999 noch sechs US-Unternehmen, angeführt von Dell und America Online. Länder aus den genannten Boom-Regionen waren damals gar nicht vertreten. Das Bild zehn Jahre danach: Das Transport- und Logistikunternehmen Cosco aus Singapur führt das Ranking an. Auf Platz zwei liegt das indische Maschinenbauunternehmen Larsen & Toubro und Platz drei geht ebenfalls an Indien - und zwar an den Telekommunikationsanbieter Bharti Airtel.

Fast die Hälfte der Top-Ten-Unternehmen kommt derzeit aus China oder Indien, lediglich ein Unternehmen stammt aus den USA: Der Technologiehersteller Apple belegt in der Studie Platz neun.

Selbst das einzige europäische Unternehmen unter den Top-Ten, der globale Stahlhersteller Arcelor Mittal, ist 2006 aus der Übernahme des europäischen Stahlunternehmens Arcelor durch den indischen Stahlbauer Mittal entstanden.

Die Studie basiert auf mehr als 5000 Unternehmen aus 14 Branchen. Daraus werden jene Unternehmen ermittelt, die am meisten Wert für ihre Anleger schaffen.

Die besten Zeiten sind vorbei

Weltweit brachten im Vorjahr Investments in den Branchen Bergbau und Rohstoffe, Maschinen- und Anlagenbau sowie Chemie den Anlegern die besten Renditen. Die besten Zeiten an den Aktienmärkten scheinen aber auf absehbare Zeit vorbei, heißt es in der Studie. Von 2003 bis 2007 erwirtschafteten börsennotierte Unternehmen weltweit Renditen von durchschnittlich 17,1 Prozent. Angesichts der derzeitigen Schwäche der Kapitalmärkte werde die Wertsteigerung für Aktionäre künftig allerdings schmäler ausfallen.

"Zwischen Unternehmensstrategie und Wertsteigerung besteht eine Art Symbiose - und doch behandeln viele Unternehmen diese beiden zentralen Themen weitgehend isoliert" , erklärt Studienautor Daniel Stelter, der den BCG-Bereich Corporate Development weltweit leitet und fordert eine engere Verknüpfung dieser beiden Bereiche. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2008)

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