Leistbare Wohnungen für CEE

8. September 2008, 16:00
posten

Neubau in Ost- und Südosteuropa fokussiert fast nur auf das gehobene Segment, der soziale Wohnbau kommt zu kurz - Österreichische Initiativen versprechen Besserung

Wien - In vielen ost- und südosteuropäischen Staaten hat das System der feien Marktwirtschaft "in purstem Sinne gegriffen", klagt der frühere langjährige Sonderkoordinator des Südosteuropa-Stabilitätspaktes, Erhard Busek. Wer darunter leide, ist der soziale Wohnbau: In den Hauptstädten boomt der Wohnungsneubau zwar seit einigen Jahren, er fokussiert aber fast ausschließlich auf das gehobene Preissegment. Mittlere und untere Einkommensschichten bleiben massiv unterversorgt.

Die Marktpreise für Eigentumswohnungen in den CEE-Hauptstädten liegen heute auf westlichem Niveau und sind teils höher als in Wien, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz von Busek und Wolfgang Amann, dem Geschäftsführer des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW). Dem stehen Durchschnittsgehälter gegenüber, die in Polen, der Slowakei und Ungarn bei einem Viertel, in Rumänien, Bulgarien und der Ukraine bei rund einem Zehntel des österreichischen Durchschnitts liegen.

Die Fertigstellungszahlen von Wohnungen in Ungarn, Polen oder der Slowakei liegen heute bei gut der Hälfte des EU-Durchschnitts oder Österreichs, sagte Die Zahlen in Rumänien, Bulgarien oder der Ukraine liegen noch deutlich darunter.

Sozialer Faktor fehlt

Neben dem Fehlen des sozialen Faktors in den CEE-Marktwirtschaften herrsche auch ein Stadt-Land-Gefälle "wie in Entwicklungsländern", so Busek. Die Migration der Landbevölkerung in die Metropolen oder nach Westeuropa und das Blühen des Bürobaus würden dies oft vergessen lassen, meinte der frühere ÖVP-Vizekanzler und übte an dieser Stelle Kritik an westeuropäischen Investoren in CEE. "Keine Schiene geht Richtung sozialen Wohnbau." Ein weiteres Problem bestehe darin, dass die EU in puncto Wohnbau "keine Zuständigkeit" habe. Verschärft werde dies durch den hohen Altwohnungsbestand (Plattenbauten) bzw. durch fehlende Initiativen zur Stadterneuerung.

Eine österreichische Initiative will dies nun ändern: Das heimische Modell für leistbaren Wohnbau soll nach Montenegro, Rumänien und Albanien exportiert werden.

Basis für PPP-Projekte

Das IIBW empfiehlt CEE-Ländern die Implementierung von PPP-Wohnungssektoren (Public Private Partnership). Dabei erfüllen private Wohnungsunternehmen im rechtlichen Rahmen eines "PPP-Wohnungsrechtsgesetzes" einen öffentlichen Versorgungsauftrag, indem sie leistbare Wohnungen bereitstellen. Die gesetzliche Basis fehle bisher, so Amann. Die Finanzierung soll etwa mit Kapitalmarktdarlehen, Eigenkapital der PPP-Wohnungsunternehmen oder mit Hilfe von Investitionsbanken oder Fonds geschehen.

So hat das IIBW gemeinsam mit dem holländischen Fonds DIGH (Dutch International Guarantees for Housing) die Initiative einer "Housing Finance Agency for Countries in Transition" (H!FACT) für Montenegro entwickelt. Diese Wohnungsfinanzierungsagentur soll Nettomieten unter 2 Euro pro Quadratmeter ermöglichen. "Damit müsste es gelingen, dem Mietwohnbau zum Durchbruch zu verhelfen", so Amann.

Rumänische Firmen wollen aktiv werden

Eine weitere Initiative ist der Gesetzesentwurf für ein neues Wohnrecht in Rumänien. Österreichische und rumänische Experten unter der Federführung des IIBW haben eine Ausschreibung des Bautenministeriums in Bukarest gewonnen und sechs Gesetze (ein Rahmengesetz und fünf Gesetze zu den Themen Miete, Wohnungseigentum, Bewirtschaftung, Förderung) ausformuliert. Ein Schwerpunkt liegt auf dem PPP-Wohnrechtsgesetz. In Rumänien bestehe seitens der Industrie ein großes Interesse an "Company Housing" (Werkswohnungen), so Amann. "Die Firmen (auch österreichische, Anm.) wollen ihren Mitarbeitern günstige Wohnungen zur Verfügung stellen", meinte der IIBW-Geschäftsführer. Einige der Entwürfe sollen noch vor den Wahlen im November durchs Parlament gehen, so Amann.

In Shkoder, der zweitgrößten Stadt Albaniens, ist ein sozialer Mietwohnbau - ebenfalls nach österreichischem Vorbild - in Vorbereitung. Die Linzer gemeinnützige Bauvereinigung (GWB) werde gemeinsam mit anderen Partnern eine Projekttochter gründen, um die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für einen sozialen Wohnungssektor in Albanien aufzuzeigen, sagte Amann. Ziel ist es, auch für Albanien ein PPP-Wohnrechtsgesetz als Basis für einen landesweit agierenden Sektor zu entwickeln. (APA)

  • Artikelbild
Share if you care.