Chef der Wiener Wasserwerke erinnert an Infrastruktur-Leistungen der Römer

8. September 2008, 15:41
5 Postings

Weltwasserkongress: Wien wurde einst über eine Zuleitung von einer Quelle außerhalb der Stadt versorgt - nach dem Ende Roms dauerte es über ein Jahrtausend bis zum Wiedererreichen des alten Standards

Wien - "Man muss zurückschauen, wo wir herkommen, damit wir verstehen, was unsere jetzigen Ziele sind", erklärte Hans Sailer, Chef der Wiener Wasserwerke und Präsident der International Association of Water Supply Companies in the Danube River Catchment Area (IAWD) am Montag beim Weltwasserkongress in Wien. Die heutige Wiener Wasserversorgung basiere auf dem selben Prinzip wie das der Römer.

Gut ausgebaute Infrastruktur

Die Römer hatten einen "sehr modern anmutenden" Standard, eine "ingenieurmäßig konstruierte Wasserversorgung", sagte Sailer nach seinem Vortrag über die "Zeitachse der Donau". Wien sei zur Zeit des Römischen Imperiums über eine Zuleitung von einer Quelle außerhalb der Stadt, vermutlich aus der Gegend Brunn am Gebirge, mit Wasser versorgt worden. Die Leitung soll 5.000 bis 10.000 Kubikmeter pro Tag gebracht haben, so der IAWD-Präsident.

Wasserver- und -entsorgung, Wassertransport sowie -meldesystem seien gut ausgebildet gewesen: "Es gab sogar schon Berechnungen, wie groß ein Kanal sein muss, um wie viele Menschen versorgen zu können." Die Römer seien die ersten in Europa gewesen, die einen Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Menschen, Trink- und Abwasser herstellten und die Wasserkraft "voll" ausnutzten.

Rückfall mit langer Nachwirkung

Mit dem Untergang des Römischen Reiches sei schließlich auch das ganze System zusammengebrochen, erklärte Sailer. "Und es dauerte mehr als 1.000 Jahre, um wieder einen ähnlichen Standard in der Wasserver- und -entsorgung zu erreichen." Erst im 15., 16. Jahrhundert habe man Schritt für Schritt wieder begonnen, sich mit den römischen Schriften und Technik auseinanderzusetzen. Zuvor habe es "nur Hausbrunnen und fast keine Entsorgung" gegeben, viele Menschen starben an Krankheiten wie Cholera.

Unter dem Geologen und Politiker Eduard Suess - der offensichtlich die Vorteile des Wassersystems im Römischen Reich erkannt hatte - wurde schließlich die erste Wiener Hochquellleitung gebaut, die 1873 eröffnet wurde. Nach den zwei Weltkriegen begann eine Zeit der Kooperationen, verschiedene Vereinigungen wurden gegründet.

Politische Implikationen

Für Sailer ist Kooperation - wie in der Europäischen Union - die "Chance, unseren Level im Umwelt- und Wasserschutz zu verbessern", nur gemeinsam seien Fortschritte wie im Römischen Reich möglich. "Kooperation kann den Lebensstandard allgemein und den der Wasserversorgung erhöhen. Fortschritte gehen nur in Vereinigung mit einheitlichen Regeln, Wasser kennt keine Grenzen."

Der "World Water Congress" der International Water Association (IWA) findet noch bis kommenden Donnerstag in Wien statt. Rund 3.000 Delegierte aus der ganzen Welt nehmen an den 110 Sessions, über 30 Workshops sowie einer Ausstellung von 200 Organisationen aus 25 Ländern teil. (APA)

Share if you care.