Tausendfache Sortenvielfalt beim Wein durch "springende Gene" bewirkt

8. September 2008, 15:18
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Österreichische und spanische Forscher entschlüsselten den Weg von der Wild- zur mannigfaltigen Kulturpflanze - Erbgut enthält hohen Anteil von Transposons

Wien - Vom Bouvier bis zum Zierfandler, vom Blauburger bis zum Zweigelt, die Zahl der Reb- und damit Weinsorten beläuft sich laut Schätzungen weltweit mittlerweile auf rund 8.000. Verantwortlich für diese Vielfalt - immerhin handelt es sich um eine einzige Pflanzenart namens Vitis vinifera - sind laut einer Studie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und des Centre de Recerca en Agrigenomica (CRAG) in Barcelona die springenden Gene (Transposons) im Erbgut der Pflanze. Die Forschungen wurden in der Wissenschaftszeitschrift "PLoS One" veröffentlicht.

Der Beginn der Kultivierung von Wein werde in der Jungsteinzeit (vor 10.500 bis 6.000 Jahren) vermutet, erklärte dazu Astrid Forneck, Professorin am Boku-Institut für Garten-, Obst- und Weinbau. Nach der im Vorjahr durch italienische und französische Wissenschafter publizierten Aufschlüsselung des Wein-Genoms können Biologen den Weg von der bis heute vorkommenden Wildrebe (Vitis vinifera sylvestris) bis zu den zahlreichen Sorten des kultivierten Weins auch auf genetischer Ebene nachvollziehen.

Hoher Anteil von Transposons

Bei ihrer Analyse hat das österreichisch-spanische Team über 1.000 sogenannte springende Gene oder Transposons gefunden, rund drei Prozent des gesamten Erbguts des Weins. Transposons sind mehr oder weniger lange Abschnitte auf der Erbsubstanz (DNA), die mobil sind und von einem Ort zum anderen springen können. Im Gegensatz zu sogenannten Punktmutationen, bei denen sich jeweils nur eine Base an der DNA verändert, werden mit den Transposons gleich ganze Gene im Erbgut verschoben und können dadurch auch eine andere Funktion bekommen.

Im Falle von Wein - wie auch bei vielen anderen Organismen - sind die springenden Gene gleichsam ein Motor für Vielfalt. Das Team fand aber auch einige Transposons, die gleichsam domestiziert wurden. Sie sind nun an einem fixen Platz, erfüllen eine bestimmte Aufgabe innerhalb der Zelle und springen nicht mehr kreuz und quer durch das Erbgut.  (APA)

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