ARBÖ sieht Beruhigung am Ölmarkt

8. September 2008, 13:27
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Automobilklub sieht Ölpreis bei 80 bis 100 Dollar - Iran: "Selbstverständlich ist der Markt überversorgt"

Wien - Geht es nach dem ARBÖ, dann können die Autofahrer etwas durchatmen. Der Automobilklub sieht die Preisblase bei den Rohölnotierungen geplatzt, nun sei ein Preis von 80 bis 100 Dollar (56,2 bis 70,2 Euro) für das Fass (159 Liter) durchaus realistisch, so ARBÖ-Sprecherin Lydia Ninz. Allerdings hätten sich in der Vergangenheit die Spekulanten mit Preisen von fast 150 Dollar "eine goldene Nase verdient".

Dass die Preise nur aufgrund der höheren Nachfrage in Schwellenländern wie China und Indien gestiegen sind, wie die Industrie gerne behauptet, lässt Ninz nur bedingt gelten. So hätte ein Lokalaugenschein gezeigt, dass etwa China seine Raffinerie-Kapazitäten erheblich ausbaut und regulativ in den Verkehr eingreift.

Vorsichtige Prognosen

Beim ÖAMTC gibt man sich etwas vorsichtiger und will keine Ölpreis-Prognose abgeben. Die Signale würden derzeit aber eher in Richtung einer Preisberuhigung gehen, so Sprecherin Elisabeth Brandau. Allzu große Hoffnung, dass der OPEC-Gipfel am Dienstag in Wien zu einer raschen Reaktion des Marktes führt, hat sie jedenfalls nicht. Dies sei auch in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen.

Für den Verkehrsclub Österreich (VCÖ) greift die Preisdiskussion ohnehin zu kurz. Das Zeitalter des billigen Erdöls sei vorbei, nun gehe es darum, die Abhängigkeit von fossiler Energie zu verringen. "Vor allem der Verkehrssektor hängt regelrecht an der Öl-Pipeline. Deshalb sollte in Österreich nach dem Vorbild Schwedens eine Energiekommission aus Fachleuten gebildet werden, die Maßnahmen zur Verringerung des Erdölverbrauchs erarbeiten, die dann von der Politik umzusetzen sind", so VCÖ-Experte Martin Blum zur APA. Er gab zu bedenken, dass sich der Energieverbrauch von Österreichs Verkehr seit 1970 verdreifacht hat.

Geht es nach der iranischen Führung, dann kann zumindest derzeit von einem Ölmangel keine Rede sein. "Selbstverständlich ist der Markt überversorgt", so der iranischen Ölminister Gholamhossein Nozari in Wien. Die Experten gehen jedenfalls davon aus, dass morgen beim OPEC-Treffen die Förderquote beibehalten wird. Es sei zwar viel Öl am Markt, gleichzeitig wolle die OPEC aber verhindern, dass durch neue Hurrikans der Preis wieder explosionsartig anzieht. Am Freitag wurde mit 105 Dollar je Fass der niedrigste Wert seit fünf Monaten verzeichnet. Mit ein Auslöser dafür: Beim weltweit größte Energieverbraucher, den USA, haben die hohen Preise bereits zu einer nachlassenden Nachfrage geführt.

Größter Ölexporteur ist Saudi-Arabien, gefolgt vom Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die meisten Reserven haben laut OPEC ebenfalls die Saudis, auf den Plätzen folgen der Iran und der Irak. (APA)

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