Victory-Eigentümer trennen sich

8. September 2008, 12:30
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Pecik sieht sich als klassischer Finanzinvestor - Stumpf sucht die industrielle Herausforderung - Schweizer Beteiligung Oerlikon in wirtschaftlichen Turbulenzen

Wien - Die beiden österreichischen Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf beenden ihre Zusammenarbeit und teilen die Industriebeteiligungen der Gesellschaft Victory auf. Der Grund seien "langfristig unterschiedliche strategische Interessen", sagte der Sprecher der Victory Industriebeteiligung AG, Stephan Oehen, am Montag zur APA. Die 12 Prozent, die Victory am wirtschaftlich angeschlagenen Schweizer Technologiekonzern OC Oerlikon hält, gehen an Pecik.

"Pecik sieht sich als klassischer Finanzinvestor, Stumpf sucht die industrielle Herausforderung", erklärte Oehen. Zu der Entscheidung, sich zu trennen, seien sie über den Sommer im Zuge einer Lagebeurteilung gekommen. Die fortan getrennten Wege seien "ein logischer Schritt". Die gemeinsame Beteiligungsgesellschaft Victory ist nun nach vierjähriger Partnerschaft auf die beiden Eigentümer - die RPR Privatstiftung von Pecik und die Millennium Privatstiftung von Stumpf - aufgeteilt worden.

Die RPR Privatstiftung übernimmt den 12-Prozent-Anteil an der OC Oerlikon-Gruppe, welcher künftig weiterhin von der Victory gehalten wird. Victory ist zweitgrößte Aktionärin - hinter der Beteiligungsgesellschaft Renova des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg (fast 40 Prozent).

Stumpf verlässt die Gesellschaft. Dabei übernimmt seine Millennium Privatstiftung die 100-Prozent-Beteiligung am 2007 gegründeten, deutschen Hochtechnologiekonzern M+W Zander sowie das ebenfalls 2007 gegründete Solartechnologieunternehmen intico solar AG. Die übrigen - kleineren - Beteiligungen bleiben bei Victory.

Stumpf sichert sich Oerlikon-Perle

Die Solarsparte, die Stumpf bei seinem Rückzug  gesichert hat, gilt als die größte Hoffnungsträgerin im Oerlikon-Mischkonzern: Die intico solar AG erstellt Produktionsanlagen für Dünnschicht-Solarmodule. Ihr Bestellungseingang soll 2008 laut Oerlikon bei über 1 Mrd. Schweizer Franken (0,6 Mrd. Euro) liegen. Im ersten Halbjahr stieg er um 77 Prozent auf 451 Mio. Franken.

Andere Konzernbereiche kämpfen mit Markteinbrüchen: Auch wenn sich die Schweizer Beteiligung Oerlikon im Branchenvergleich relativ gut behauptet hat, wird darüber spekuliert, ob sie ihre neu gebildete Textilsparte abstoßen will. Gerüchteweise soll es deutschen Medienberichten zufolge Kaufangebote dafür gegeben haben.

Die Sparte entstand vor fast zwei Jahren mit dem Zukauf des Textilmaschinen- und Antriebssystemherstellers Sauer. 2007 lieferte sie noch sehr gute Ergebnisse - sie trug 48 Prozent zum Konzernumsatz von 5,6 Mrd. Franken (3,5 Mrd. Euro) bei, doch heuer sei ihr Markt in einem Maß eingebrochen, das Branchenkenner noch nicht beobachtet hätten, berichtet die "Börsen-Zeitung". Im ersten Halbjahr 2008 fiel der Bestellungseingang der Textilsparte um 36 Prozent, der Hauptkonkurrent, Rieter aus der Schweiz, erlitt einen Rückgang um 61 Prozent.

Abschreibungen

Das Technologiekonglomerat Oerlikon ist heuer in finanzielle Turbulenzen geraten: Mitte August kam die Warnung, man erwarte für 2008 einen Rückgang des Betriebsgewinnes vor Abschreibungen um ein Drittel und müsse zudem Wertberichtigungen vornehmen. Zwei Wochen später informierte das Unternehmen detailliert über die Abschreibungen auf den Goodwill-Positionen - insgesamt 343 Mio. Schweizer Franken (216 Mio. Euro), davon 200 Mio. Franken in der Textilsparte - und den Verlust von 313 Mill. Franken im ersten Halbjahr 2008. Oerlikons Entwicklung müsse die Aktionäre beunruhigen, allen voran den neuen Haupteigner Vekselberg, berichtete die deutsche "Börsen-Zeitung" vor dem Wochenende.

Als Vekselberg heuer im Mai von den bis dahin bestimmenden Aktionären Stumpf und Pecik weitere Anteile übernahm und seine Beteiligung auf 39,1 Prozent ausbaute, notierten die Titel bei 390 Franken. Seither haben sie 35 Prozent verloren, womit Oerlikon noch einen Börsenwert von rund 3,25 Mrd. Franken habe.

Stumpf und Pecik hatten laut "Börsen-Zeitung", auch mittels forscher Einschätzungen, um Oerlikon eine heiße Anlagestory zu stricken versucht. Sie wollten mit dem großen Vorbild General Electric vor Augen aus dem mittleren Unternehmen einen "globalen Hightech-Konzern" zimmern. So kauften sie Ende 2006 für fast 2 Mrd. Franken Saurer, den Hersteller von Textilmaschinen und Antriebssystemen. Nun habe sich ihre Vision als großspurig entpuppt, der Zusammenhalt des Konzerns sei gefährdet, seine Struktur infrage gestellt, heißt es in dem Bericht weiter. (APA)

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