"Christen" würden Frauenministerium abschaffen

8. September 2008, 11:35
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DCP-Spitzenkandidat bezeichnet Gender-Mainstreaming als Teil der "Staatsreligion" und Homosexualität als "Krankheit" - Weiteres Anliegen: "Schutz des Lebens"

Wien - Geht es nach der Christen-Partei (DCP), wäre das Frauenministerium in der derzeitigen Form längst abgeschafft. Spitzenkandidat Alfons Adam begründete im Interview mit der APA diese Forderung damit, dass dies Teil des Gender-Mainstreamings sei, wogegen die DCP ebenfalls auftritt. Durch diese "Staatsreligion" strebe man die "Abschaffung von Mann und Frau als biologisches Geschlecht" an.

ÖVP-Verrat an ChristInnen

Als Alternative zum Frauenministerium kann sich Adam ein "echtes Familienministerium" vorstellen. Warum es überhaupt eine Notwendigkeit gibt, neben der christliche WählerInnen ansprechenden ÖVP eine Christen-Partei zu gründen, erklärt deren erster Obmann so: "Ich habe in den letzten Jahrzehnten viel an Unzufriedenheit, geradezu Aversion, gegen die ÖVP bemerkt. Viele haben sich als Christen verraten gefühlt."

Absolut gegen "Homo-Partnerschaften"

Grund für jene Aversion gegen die Christlich-Sozialen: Gewisse Dinge würden diese gar nicht erst ansprechen. Etwa jenes Gender-Mainstreaming, gegen das die DCP nun zu Felde zieht. Wohlbekannt ist mittlerweile auch die Einstellung der DCP zu Homosexualität. Adam betont nach wie vor, dass diese als Krankheit zu sehen sei, spricht von einer eigenen Lobby und "geheilten Homosexuellen". "Wir müssen alles tun, um zu verhindern, dass die Homo-Partnerschaft kommt." Ein Problem, dies öffentlich zu äußern, hat er trotz massiver Kritik nicht: "Wenn man uns Katholiken oder Christen verbieten will, unseren Standpunkt zu äußern, dann ist das wie Christenverfolgung."

Verständnis für eventuelle Integrationsverweigerung

Welche Art von ChristInnen in der DCP tätig sind, will Adam - selbst römisch-katholisch - gar nicht so genau wissen. Neben KatholikInnen würden sich auch Mitglieder von Freikirchen im Wahlkampf engagieren. Auch Konfessionslose und Muslime seien willkommen. Adams Einstellung gegenüber dem Islam ist dementsprechend originell: "Ich rechne es Moslems hoch an, dass sie sich in unserer versauten Gesellschaft nicht integrieren wollen." Würde das Christentum geschlossener auftreten und außerdem mehr Kinder zeugen, wären auch Fremde "kein Problem".

Gegen Abtreibung und sogar Fristenlösung

Ein weiteres Anliegen der DCP ist der "Schutz des Lebens", also die erbitterte Gegnerschaft zu Abtreibung und Fristenlösung. Er verstehe auch nicht, warum man dies nicht gleich beim Namen nenne. Für ihn ist auch der Sexualunterricht in den Schulen "völlig verfehlt". Durch die "Anleitung zur Unzucht und zu sexuellen Ausschweifungen" entstehe als Folge Bindungsunfähigkeit, Drogenabhängigkeit und ausschweifende Kriminalität. (APA)

WISSEN

Erst seit drei Jahren existiert die "Christen-Partei" (DCP), Obmann ist seit ihrer Gründung der derzeitige Spitzenkandidat Alfons Adam. Die Themenplatte dreht sich vor allem um das Thema Familie und weitere konservative Werte: So soll die Ehe mitsamt hoher Zeugungsverpflichtung etliche gesellschaftliche Probleme lösen. Allerdings nur jene zwischen Mann und Frau, die DCP tritt auch vehement gegen Homosexualität auf und ist der Überzeugung, dass es sich hierbei um eine Krankheit handle.

Ein weiteres Anliegen der DCP ist der "Lebensschutz" - also die Gegnerschaft zu Abtreibung und Fristenlösung. Gepunktet hat die schwer konservative, aber in der Öffentlichkeit bisher unauffällige Bewegung bereits bei zwei Wahlen, auch wenn noch nie die notwendigen Hürden übersprungen werden konnten. Achtungserfolge gab bei der niederösterreichischen Landtagswahl, wo die "Christen" mit 0,84 Prozent der Stimmen das BZÖ hinter sich ließen. In Tirol reichte es sogar für 1,4 Prozent. Konstituiert haben sich die "Christen" im Oktober 2005.

Nachlese

Kommentar: Die Christen kommen

  • Spitzenkandidat Adam sieht im Aufklärungsunterricht an Schulen eine "Anleitung zur Unzucht", in Homosexualität eine "Krankheit" und bezeichnet unsere Gesellschaft überhaupt als "versaut".

    Spitzenkandidat Adam sieht im Aufklärungsunterricht an Schulen eine "Anleitung zur Unzucht", in Homosexualität eine "Krankheit" und bezeichnet unsere Gesellschaft überhaupt als "versaut".

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