Prozessbeginn gegen vier Ex-Kosovo-Sonderpolizisten

8. September 2008, 10:53
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"Skorpionen" wird in Belgrad der Mord an 14 albanischen Zivilisten in Podujevo angelastet

Belgrad - Vor dem Belgrader Sondergericht für Kriegsverbrechen hat am heutigen Montag ein Gerichtsverfahren gegen vier einstige Angehörige der früheren serbischen Sonderpolizei-Einheit "Skorpione" begonnen, denen Kriegsverbrechen im Kosovo angelastet werden. Ihnen wird vorgeworfen, zu Beginn der NATO-Luftangriffe gegen das damalige Jugoslawien (Serbien und Montenegro) Ende März 1999 in der kosovarischen Stadt Podujevo 14 albanische Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, erschossen zu haben.

In diesem Fall war ein anderer Angehöriger der Sonderpolizei-Einheit vor drei Jahren bereits zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Die berüchtigte Sonderpolizeieinheit, die in den 1990er Jahren von der serbischen Geheimpolizei gebildet worden war, und die im Frühjahr 1999 im Rahmen der serbischen Sondereinheit zur Terrorismusbekämpfung, der SAJ, wirkte, wurde nach dem Massaker in Podujevo nach Serbien zurückbeordert.

Die Öffentlichkeit hatte über die "Skorpione" aber erst im Juni 2005 erfahren, als vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal im Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic ein Video vorgeführt wurde, auf welchem die Ermordung von sechs Einwohnern der bosniakischen (muslimischen) Enklave Srebrenica durch die "Skorpione" im Juli 1995 zu sehen war. Zu jenem Zeitpunkt waren "Skorpione" noch eine serbische Milizeinheit. Vier einstige Angehörige wurden im Vorjahr wegen Mordes an muslimischen Zivilisten am Jahorina-Berg bei Sarajevo zu insgesamt 58 Jahren Haft verurteilt. Im Jahr 1999 hatte die Sonderpolizeieinheit laut offiziellen Angaben 130 Angehörige. Die Sonderpolizei-Einheit "Skorpione", war schon im Bosnien-Krieg (1992-95) als serbische Milizeinheit aktiv. (APA)

 

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